Restaurierung der Baustruktur

Im größeren Kontext der sogenannten „Refoundation“ (Neugründung oder Wiederbelebung) des Klosters Eibingen im Jahr 1165 war die Restaurierung der Baustruktur der entscheidende praktische Akt, der das klösterliche Leben an diesem Ort überhaupt erst wieder ermöglichte. Die Quellen beleuchten diesen baulichen Aspekt in engem Zusammenhang mit Hildegards Übernahme:

Der bauliche Ausgangszustand: Ruinen und Leerstand Als Hildegard von Bingen das Gelände 1165 erwarb, kaufte sie kein funktionierendes Kloster, sondern eine verwaiste, teilweise verfallene und durch die vorangegangenen Kriegswirren unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa schwer beschädigte Anlage. Das ursprüngliche Augustiner-Doppelkloster aus dem Jahr 1148 war zu diesem Zeitpunkt eine ungenutzte Ruine.

Die Restaurierung als praktischer Akt der Neugründung Da Hildegards Hauptkloster Rupertsberg unter akutem Platzmangel litt, war die bauliche Wiederherstellung in Eibingen eine zwingende Notwendigkeit. Nachdem sie das verlassene Grundstück käuflich erworben hatte, ließ sie die beschädigte Baustruktur restaurieren und wieder herrichten, um dort dreißig benediktinische Nonnen anzusiedeln.

Im Kontext der historischen Debatte um die „Refoundation“ – bei der (wie zuvor besprochen) ein formeller, kirchenrechtlicher Neugründungsakt durch zeitgenössische Urkunden nicht zwingend belegt ist – tritt die physische Restaurierung der Gebäude an die Stelle eines juristischen Aktes: Sie markiert faktisch und baulich die Umwandlung der augustinischen Ruine in einen lebendigen benediktinischen Konvent.

Das weitere Schicksal der restaurierten Baustruktur Die von Hildegard im 12. Jahrhundert restaurierten Gebäude blieben in dieser Form jedoch nicht bis heute erhalten. Im weiteren historischen Verlauf erfuhr die Anlage mehrfach bauliche Veränderungen:

- Erneuerung im 17. und 18. Jahrhundert: Gegen Ende des 17. Jahrhunderts (1681–1684) und später im 18. Jahrhundert (1736–1752) wurde das von Hildegard wiederaufgebaute alte Kloster durch neuere Bauten ersetzt. - Erhaltene Grundmauern: Dennoch blieb das alte, tragfähige Mauerwerk aus Hildegards Zeit sowie der historische Gewölbekeller teilweise erhalten. Dieser alte Keller aus dem 17. Jahrhundert, der auf der ursprünglichen Anlage fußt, wird heute noch vom Bischöflichen Weingut zur Vinifizierung genutzt. - Heutige Bemühungen: In der Gegenwart hat sich ein Förderverein gegründet, der sich unter anderem die bauliche Freilegung von nachweislich noch vorhandenen historischen Mauern des damaligen Südflügels der alten Klosteranlage im Ortskern von Eibingen zur Aufgabe gemacht hat.

Zusammenfassend war die Restaurierung der Baustruktur im Jahr 1165 der sichtbare, materielle Kern der „Refoundation“. Durch die bauliche Instandsetzung der Ruinen schuf Hildegard von Bingen jenen physischen Raum, der das Überleben und die Transformation des Standortes Eibingen sicherte.


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