Die Entsendung der 30 Nonnen aus Rupertsberg bildete im Jahr 1165 das personelle Fundament für die benediktinische Neugründung des Klosters Eibingen durch Hildegard von Bingen. Im größeren historischen Kontext der Entwicklung dieses Konvents verdeutlichen die Quellen folgende Zusammenhänge:
Lösung eines personellen Engpasses Der primäre Auslöser für die Entsendung der Schwestern war der enorme personelle Aufschwung, den Hildegards erstes Kloster auf dem Rupertsberg erlebte. Weil das Mutterkloster durch den beständigen Zulauf bald aus allen Nähten platzte, erwarb Hildegard die verwaisten Ruinen des Eibinger Augustinerklosters und besiedelte diese Anlage als Filialkloster mit einem Stammkonvent von anfänglich 30 Benediktinerinnen, die vom Rupertsberg kamen. Auch in der Folgezeit umfasste der Eibinger Konvent bis zu 30 Schwestern.
Aktiver Wiederaufbau der Ruinen Die 30 entsandten Benediktinerinnen zogen nicht in ein intaktes Kloster ein. Vielmehr richteten diese Nonnen, die Hildegards Leitung unterstanden, die durch frühere Kriegswirren schwer beschädigten und leerstehenden Gebäude gemeinsam wieder her.
Wandel der sozialen Konventsstruktur Obwohl die anfänglichen 30 Nonnen aus dem Rupertsberger Konvent stammten, welcher streng den adligen Schichten vorbehalten war, etablierte Hildegard für den neuen Standort in Eibingen eine völlig abweichende Sozialstruktur. Sie öffnete die Eibinger Gemeinschaft explizit auch für nicht-adlige Frauen aus den bürgerlichen Schichten.
Leitung und späterer demografischer Niedergang Der Eibinger Konvent stand unter der direkten Kontrolle von Hildegard, die hier als Äbtissin fungierte. Die lokalen Vorsteherinnen des Hauses wurden in der Anfangszeit als „Meisterinnen“ (magistra) bezeichnet, bevor sich später der Titel „Äbtissin“ durchsetzte. Trotz des dynamischen Starts mit den 30 Rupertsberger Nonnen verzeichnete der Eibinger Konvent im 16. Jahrhundert einen so drastischen demografischen Niedergang, dass im Jahr 1575 letztlich nur noch drei Schwestern in dem Kloster lebten.