Im größeren Kontext der heutigen Nutzung bilden das Museum und die Hildegardis-Kapelle die zwei zentralen Pfeiler, auf denen das moderne Besuchererlebnis des Disibodenbergs ruht. Beide Bauwerke wurden im Jahr 1998 anlässlich des 900. Geburtstages von Hildegard von Bingen am Fuße des Berges beziehungsweise am Waldrand eröffnet und geweiht. Sie stellen sicher, dass die Anlage heute nicht nur eine verlassene Ruine ist, sondern ein Ort, der historische Bildung und lebendige Spiritualität vereint.
Das Museum: Zentrum der historischen Vermittlung Das barrierefreie archäologische Museum dient heute als wichtigstes Tor zur Geschichte der Klosteranlage. Da die oberirdischen Gebäude der Abtei in den vergangenen Jahrhunderten nahezu vollständig als Steinbruch abgetragen wurden, übernimmt das Museum die entscheidende Aufgabe, die ursprüngliche Pracht der Architektur wieder vorstellbar zu machen. Die Ausstellungsstücke machen die über 2.000-jährige Geschichte des Berges greifbar:
- Archäologische Vielfalt: Besucher finden hier Funde aus der Römerzeit, welche die frühe vorchristliche Besiedlung des Berges bezeugen, sowie mittelalterliche Alltagsgegenstände, die das einstige Leben der Mönche und Nonnen veranschaulichen. - Zeugnisse der Zisterzienser-Gotik: Ein besonderes Highlight sind die ausgestellten, hochfeinen gotischen Steinmetzarbeiten aus der Zisterzienserzeit (1259 bis 1559). Sie vermitteln den modernen Besuchern einen direkten Eindruck davon, wie prächtig, bildreich und feindekoriert die gewaltige Abteikirche einst tatsächlich war. - Touristischer Ausgangspunkt: In der gegenwärtigen Nutzung fungiert das Museum zudem als Startpunkt für selbstständige Rundgänge und geführte Touren. Zur modernen Infrastruktur gehören ein Museumscafé im Innenhof sowie spezielle museumspädagogische Angebote für Familien, wie etwa eine eigene Entdecker-Rallye durch die Ruinen.
Die Hildegardis-Kapelle: Ort der lebendigen Spiritualität Während das Museum die architektonische und historische Faktenlage bewahrt, ist die neu errichtete Hildegardis-Kapelle am Waldrand das Herzstück des heutigen spirituellen Tourismus.
Der Disibodenberg wird von Spaziergängern und Pilgern auch in der Gegenwart als ein „wunderbarer Kraftort“wahrgenommen, der Heilung und Stille verspricht. In der kleinen Kapelle hinterlassen Besucher bis heute unzählige persönliche Dankesworte und Briefe an Hildegard von Bingen. Einträge wie „Danke für alles, was du uns in Form deines Wissens hinterlassen hast“ beweisen eindrucksvoll, dass die historische Frömmigkeit auf dem Berg auch viele Jahrhunderte nach Hildegards Wirken weiterhin hochgradig lebendig ist. Eine Besonderheit der heutigen Nutzung ist zudem, dass der Zutritt zur Kapelle und zum gesamten Klostergelände während der sonntäglichen Gottesdienste für Besucher frei ist.
Zusammenfassend teilen sich Museum und Kapelle im Rahmen der heutigen Nutzung das Erbe des Disibodenbergs auf: Das Museum bewahrt und erklärt die Steine und die materielle Geschichte, während die Kapelle den emotionalen und spirituellen Geist der Anlage für die heutigen Generationen weiterträgt.