Erhalt und Gegenwart

Nachdem das Klostergelände jahrhundertelang als Steinbruch missbraucht worden war, begann im 19. Jahrhundert die Phase des Erhaltes, die den Disibodenberg zu dem mystischen Kulturdenkmal der Gegenwart formte.

Die Rettung durch die Romantik (19. Jahrhundert) Den ersten entscheidenden Schritt zur Rettung der Anlage unternahm der damalige Eigentümer Peter Wannemann im Jahr 1840 (nach anderen Quellen 1841 oder 1842). Er beauftragte den renommierten Heidelberger Gartenbauinspektor Johann Metzger damit, die stark dezimierten Ruinenreste in einen romantischen Landschaftspark nach englischem Vorbild umzugestalten. Durch diese gartendenkmalpflegerische Maßnahme wurden die erhaltenen Mauern gezielt als melancholische Denkmäler der Vergänglichkeit in die Natur inszeniert, was den endgültigen Abriss stoppte und den Berg zu einem beliebten Ausflugsziel für Kurgäste aus Bad Kreuznach und Bad Münster machte.

Archäologische Sicherung und die Scivias Stiftung (20. Jahrhundert) In der jüngeren Geschichte legte Gräfin Ehrengard von Hohenthal, die das Gelände 1954 erbte, den Grundstein für die moderne Denkmalpflege. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Lothar Freiherr von Racknitz engagierte sie sich systematisch für die Sicherung der Bausubstanz.

Zwischen 1985 und 1990 fanden unter der Leitung von Dr. Günter Stanzl vom Landesamt für Denkmalpflege umfangreiche archäologische Ausgrabungen statt. Dabei wurden wichtige architektonische Strukturen freigelegt und mehr als 60 kunsthistorisch bedeutsame mittelalterliche Grabplatten im Bereich des Kapitelsaals und des Kreuzgangs entdeckt, deren lateinische Inschriften der Forscher Dr. Eberhard J. Nikitsch übersetzte und publizierte.

Um die kontinuierliche Pflege des etwa 2,5 Hektar großen Geländes institutionell und finanziell abzusichern, gründete das Ehepaar von Racknitz im Jahr 1989 die Disibodenberger Scivias Stiftung, an die die gesamte Anlage dauerhaft vermacht wurde und die heute von Luise von Racknitz geleitet wird.

Das Museum und die Hildegardis-Kapelle (1998) Zur Feier des 900. Geburtstags von Hildegard von Bingen wurde im Jahr 1998 am Fuße des Berges ein neues, barrierefreies archäologisches Museum sowie die kleine Hildegardis-Kapelle eröffnet. Das Museum präsentiert die wertvollsten Funde der Ausgrabungen, darunter römische Relikte, mittelalterliche Alltagsgegenstände und hochfeine gotische Steinmetzarbeiten aus der Zisterzienserzeit, die einen Eindruck von der einstigen Pracht der Abteikirche vermitteln.

Spiritueller Tourismus und lebendige Gegenwart In der Gegenwart hat sich der Disibodenberg zu einem stark frequentierten Ort für spirituellen Tourismus entwickelt, der ganzjährig für Besucher zugänglich ist. Um die historische Spiritualität erfahrbar zu machen, wurden auf dem Gelände mehrere kontemplative Stationen eingerichtet:

- Der Meditationsweg („Weg der Stille“): Dieser Pfad lädt an mehreren Stationen mit Textausschnitten aus den Werken Hildegards und den Psalmen zur Reflexion ein. - Das Labyrinth: Ein 1996 von Gundula Friedman-Thormählen angelegter, spiralförmiger Pfad, der sich um einen alten Baum windet und den verschlungenen Lebensweg symbolisiert. - Die Dreifaltigkeitseiche: Inmitten der freigelegten Grundmauern der alten Abteikirche wächst heute ein markanter, dreistämmiger Baum, der von Pilgern als natürliches Symbol für die göttliche Trinität verehrt wird.

Die Quellen betonen, dass der Berg auch heute noch eine kaum in Worte zu fassende Magie und Ausstrahlung besitzt. In der modernen Hildegardis-Kapelle hinterlassen Pilger und Wanderer des „Hildegard von Bingen Pilgerwanderwegs“ bis heute unzählige Dankesbriefe an die „grüne Heilige“, was belegt, dass die Frömmigkeit an diesem Ort auch nach 1.400 Jahren lebendig ist.

Neben der spirituellen Kontinuität wird auch das agrarische Erbe des Klosters gepflegt: An den Südhängen des Berges wird nach wie vor Wein angebaut. Das moderne Weingut Disibodenberg bietet heute geführte Wanderungen an, bei denen Besucher die Weinbergsterrassen, die historischen Reben und den ehemaligen zisterziensischen Klosterweinkeller in ihrer heutigen Form erleben können.


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