Heutige Nutzung

Die heutige Nutzung des Disibodenbergs steht im Zeichen einer tiefen Verbundenheit aus Denkmalschutz, historischer Vermittlung und lebendiger Spiritualität. Im größeren Kontext von Erhalt und Gegenwart hat sich der Berg, der jahrhundertelang als Steinbruch geplündert wurde, zu einem hochgradig organisierten, musealen Kulturdenkmal und einem überregional bedeutsamen "Kraftort" gewandelt.

Das institutionelle Fundament für diese Nutzung bildet die 1989 von Ehrengard Freifrau von Racknitz und ihrem Ehemann gegründete Disibodenberger Scivias Stiftung, die sich dauerhaft um den Erhalt, die Pflege und die wissenschaftliche Erforschung der rund 2,5 Hektar großen Ruinenanlage kümmert.

Im Wesentlichen stützt sich die gegenwärtige Nutzung auf vier zentrale Säulen:

1. Museale Erschließung und historische Vermittlung Die Ruine selbst ist, eingebettet in den im 19. Jahrhundert von Johann Metzger geschaffenen romantischen Landschaftspark, ganzjährig über ein Drehkreuz für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein zentraler Ankerpunkt für Besucher ist das 1998, anlässlich des 900. Geburtstags von Hildegard von Bingen, eröffnete archäologische Museum am Fuße des Berges. Das Museum bietet eine direkte Brücke in die Geschichte: Es präsentiert archäologische Funde aus der Römerzeit, Alltagsgegenstände des klösterlichen Lebens sowie die hochfeinen gotischen Steinmetzarbeiten aus der Ära der Zisterzienser, welche die einstige Pracht der Anlage greifbar machen. Um diese Geschichte lebendig zu vermitteln, bietet die Stiftung Familien- und Kinderrallyes an sowie regelmäßige öffentliche und fachspezifische Führungen, wie etwa jene des Experten Dr. Eberhard J. Nikitsch zu den Geheimnissen der Ausgrabungen und mittelalterlichen Grabplatten.

2. Spiritueller Tourismus und Kontemplation Neben der historischen Dimension ist der Disibodenberg heute wieder ein bedeutendes Zentrum für spirituellen Tourismus und fungiert als Station auf dem Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg. Die Anlage lädt Besucher ganz gezielt zur inneren Einkehr ein, wofür verschiedene Stationen eingerichtet wurden:

- Weg der Stille (Meditationsweg): Ein Pfad, der mit Textausschnitten aus Psalmen und aus Werken von Hildegard von Bingen zur Reflexion einlädt. - Das Labyrinth: Ein 1996 von Gundula Friedman-Thormählen angelegter, spiralförmiger Pfad, der den Lebensweg symbolisiert. - Die Dreifaltigkeitseiche: Ein alter, dreistämmiger Baum, der mitten in den Resten der alten Abteikirche wächst und von Pilgern als natürliches Symbol für die göttliche Trinität gedeutet wird.

Zentrum der gegenwärtigen Frömmigkeit ist die 1998 erbaute Hildegardis-Kapelle am Waldrand. In dieser kleinen Kapelle hinterlassen Wanderer und Pilger bis heute Dankesbriefe an Hildegard von Bingen, was beweist, dass die religiöse Ausstrahlung des Berges auch 1.400 Jahre nach Ankunft des heiligen Disibod noch immer lebendig ist.

3. Agrarische Kontinuität: Der Weinbau Eine weitere Form der heutigen Nutzung ist ökonomischer und landwirtschaftlicher Natur und knüpft direkt an die Tradition der klösterlichen Blütezeit an. An den Südhängen des Disibodenbergs wird bis heute Wein angebaut, eine Tradition, die insbesondere unter den Zisterziensermönchen ab 1259 systematisch forciert wurde. Das gegenwärtige "Weingut Disibodenberg" bewirtschaftet diese Hänge und bietet geführte Wanderungen durch die Weinbergsterrassen an, welche Einblicke in die Weinkultur der Zisterzienser und in die Gewölbe des ehemaligen Klosterweinkellers gewähren.

Zusammenfassend ist der Disibodenberg in der Gegenwart kein toter, verlassener Ort mehr, sondern ein sorgsam gepflegter Landschaftspark, in dem sich Naturschutz, Denkmalpflege, moderne archäologische Vermittlung und eine tiefe, lebendige Spiritualität vereinen.


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