Wirtschaftshof: Süd-West-Ecke mit Stallungen

Im Rahmen der Außenanlagen und Befestigung des Klosters Rupertsberg bildete der Wirtschaftshof in der Süd-West-Ecke das funktionale Zentrum für die landwirtschaftliche und handwerkliche Versorgung des Konvents. Während die Ringmauer (Umfassungsmauer) das gesamte Areal nach außen abschirmte, war das Innere klug in spirituelle und profane Zonen unterteilt.

Lage und Abgrenzung vom Klosterkern Um den täglichen Betrieb der Abtei zu gewährleisten, waren Profanbauten auf dem Klostergelände zwingend erforderlich. Die architektonische Rekonstruktion verortet diesen Wirtschaftsbereich in der äußersten südwestlichen Ecke der Anlage. Ein wesentliches Merkmal dieses Hofs war seine Separierung: Durch eine lediglich etwa 8 Meter kurze Quermauer ließ sich der Wirtschaftshof nach Norden hin gänzlich vom geistlichen Zentrum (der Kirche und der Klausur) abtrennen. Gleichzeitig blieb er durch die große, ihn umgebende Ringmauer nach außen hin wehrhaft geschützt.

Die „Stallungen“ und Wirtschaftsgebäude Die Überlegung, dass sich in diesem Bereich Stallungen befanden, geht auf den detaillierten Grundstücksplan des späteren Käufers Franz Herter aus dem Jahr 1819 zurück. Herter verzeichnete dort einen Baukörper gegenüber der Westfassade der Klosterkirche, den er als seine „Stallung“ bezeichnete.

Die moderne Forschung (namentlich Gerhard Roese) äußert jedoch berechtigte Zweifel daran, dass bereits zu Hildegards Zeiten Nutzvieh an derart prominenter Stelle – direkt gegenüber dem Haupteingang der Klosterkirche – gehalten wurde. Es wird sogar für unsicher gehalten, ob an genau diesem Platz ursprünglich überhaupt ein Gebäude stand. Dennoch bot der abgetrennte Wirtschaftshof in der Süd-West-Ecke entlang der Umfassungsmauer reichlich Platz und Potenzial für die Errichtung notwendiger Wirtschaftsgebäude und Gesindehäuser. Bei der architektonischen Rekonstruktion wird zudem angenommen, dass sich die innen an die Klostermauer angebauten Wirtschaftsgebäude statisch und optisch dem Rhythmus der gotischen Stützpfeiler (Strebepfeiler) anpassten, welche die Ringmauer von außen stabilisierten.

Infrastruktur und Pforten Im Kontext der wehrhaften Befestigung spielte der Wirtschaftshof auch logistisch eine wichtige Rolle, da er eigene Zugänge zur Außenwelt benötigte. Es erscheint baulogisch sehr sinnvoll, dass es an einer Abknickstelle der westlichen Klostermauer (am sogenannten Wallweg) eine eigene Pforte gab. Diese Tordurchfahrt ermöglichte es, den Wirtschaftshof und insbesondere das Kelterhaus im angrenzenden Westflügel der Klausur bequem von den umgebenden Weinbergen aus mit Fuhrwerken anzufahren. Von diesen Wirtschaftsgebäuden innerhalb der schützenden Klostermauern führte der Weg durch dieses Tor weiter in Richtung Westen nach Weiler, wo sich der Meierhof (landwirtschaftliche Gutsbetrieb) des Klosters befand.


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