Türme: Zwei massive viereckige Osttürme

Die zwei massiven, viereckigen Osttürme flankierten die halbrunde Hauptapsis an der Schauseite (Ostchor) der Klosterkirche, welche nach Osten zur Nahe hin ausgerichtet war. Im baulichen und funktionalen Gesamtkontext der Pfeilerbasilika erfüllten diese Flankentürme mehrere zentrale Rollen und prägten sowohl das Äußere als auch die Innenraumnutzung entscheidend.

Architektonische Integration der Seitenschiffe Da die rund 30 Meter lange Basilika ohne Querschiff (Transept) konzipiert war, stießen die beiden Seitenschiffe im Osten unmittelbar an diese breiten Türme. Um dennoch Raum für seitliche Altäre zu schaffen, wurden die Nebenapsiden der Seitenschiffe baulich direkt in die Untergeschosse dieser beiden Osttürme integriert.

Auswirkung auf den Damenchor Die Platzierung der wuchtigen Türme zu beiden Seiten des Chorquadrats hatte direkte Konsequenzen für den Alltag der Nonnen. Weil die Türme die freie Sicht aus den Seitenschiffen auf den Hochaltar in der Hauptapsis verdeckten, konnte der Konvent dort nicht Platz nehmen. Aus diesem Grund musste der Damenchor (der liturgische Sitzbereich der Nonnen) zentral in das Hauptschiff verlegt werden, wo er den Platz exakt zwischen den Türmen, unmittelbar vor dem eigentlichen Chor und der Apsis, einnahm.

Äußere Gestaltung und Anbauten

- Fassadengliederung: Äußerlich waren die Türme nach Forschungen von W. Zimmermann durch Lisenen mit verbindenden Rundbogenfriesen gegliedert. Einer historischen Ansicht von Christian Georg Schütz (um 1790) zufolge waren diese Rundbogenfriese an den Türmen weniger bogenreich, wiesen dafür aber größere Bögen auf als an anderen Stellen der Kirche. - Südturm: Dieser Turm war baulich eng mit der Klausur verzahnt. Auf historischen Aquarellen (etwa von J. A. Ackermann) sind Baunarben an seiner Süd- und Ostseite dokumentiert, die auf direkte Anschlüsse an das Dormitorium (den Schlafsaal der Nonnen) sowie an einen östlichen Turmanbau hinweisen. Zudem existierte eine spitzbogige Türöffnung in der Südseite des Südturms, die vom Giebel des Dormitoriums zu einer in der dicken Turmmauer liegenden Mauertreppe führte. - Nordturm: Im Bereich des Nordturms lag der Zugang zu jener historischen Krypta, die sich unter dem Altarraum erstreckte und die Reliquien barg. Die Rekonstruktionen nehmen über diesem Abgang zur Krypta am Turm einen Schmuckgiebel an.

Zerstörung der Türme Nachdem schwedische Truppen das Kloster 1632 niedergebrannt hatten, blieben die markanten Turmstümpfe gemeinsam mit der Apsis noch über Generationen hinweg als weithin sichtbares, eindrucksvolles Monument in der Landschaft stehen. Auf einem detaillierten Grundstücksplan aus dem Jahr 1819 war der Stumpf des Südturms noch als rotes Gebäudefragment verzeichnet, während der Bereich des Nordturms bereits mit Weinreben bepflanzt war. Das endgültige Ende dieser massiven Bauwerke kam in den Jahren 1857/1858: Für den Bau der Nahetal-Eisenbahn wurde der gesamte Felssporn mitsamt der Chorruine, der Krypta und den Überresten der beiden viereckigen Osttürme vollständig weggesprengt.


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