Ringmauer: Schützende Umfassungsmauer

Die schützende Ringmauer (Umfassungsmauer) umschloss den gesamten, weitläufigen Klosterbezirk auf dem Rupertsberg und trennte das geistliche Zentrum des Konvents von der Außenwelt ab. Im größeren Kontext der Außenanlagen und Befestigungen bildete sie das zentrale architektonische und fortifikatorische Element, das den autarken Klosterbetrieb schützte und strukturierte.

Struktur und Stützelemente der Mauer Die Umfassungsmauer wurde auf ihren geraden Strecken regelmäßig durch angebaute, gotische Strebepfeiler gestützt, um ihre statische Standfestigkeit zu gewährleisten. Bei der architektonischen Rekonstruktion geht man davon aus, dass sich die Wirtschaftsgebäude, die innen an die Klostermauer angebaut wurden, dem Rhythmus dieser Stützpfeiler anpassten.

Zur Nahe hin (an der Ostseite) fungierte die Einfassung als Stützmauer, die laut einem Grundstücksplan von 1819 eine halbkreisförmige Ausstülpung aufwies. Diese wird als ein später hinzugefügter Wehrerker gedeutet, was exakt zu den von Daniel Meissner um 1620 in diesem Bereich gezeichneten Mauerzinnen passt und den fortifikatorischen Charakter der Anlage zur Flussseite hin unterstreicht.

Der Turm an der Westmauer („Kanzel“) Ein markantes Element der Befestigung war ein Turm an einer Abknickstelle der westlichen Mauer am sogenannten Wallweg. Er wird als nachträgliche fortifikatorische Maßnahme interpretiert, da er offenbar nicht organisch in den rückwärtigen Mauerverband eingebunden war und im Fuß noch Reste einer steinernen Spindeltreppe aufwies. Im Volksmund des 19. Jahrhunderts wurde die Turmruine als „Kanzel“ bezeichnet, von der aus angeblich Prediger an Wallfahrtstagen zu den vor dem Klosterhof versammelten Pilgern sprachen.

Klosterpforten und Zugänge Um das Areal mit der Außenwelt und den landwirtschaftlichen Flächen zu verbinden, besaß die Ringmauer mehrere Durchlässe:

- Die Hauptpforte: Die bewachte Klosterpforte mit der angrenzenden Pförtnerwohnung lag im Bereich der Nordost-Ecke der Anlage. In der Rekonstruktion wird sie als schlichtes Tor in der Mauer (nahe einem vermuteten Propstbau) angenommen, da sich ein massives, eigenständiges Torhaus nicht zweifelsfrei datieren und belegen ließ. - Das Westtor: Ein weiteres Tor befand sich bei den Wirtschaftsgebäuden in der westlichen Mauer und führte in Richtung Weiler, wo das Kloster einen Meierhof besaß. Durch diese Pforte ließ sich das Kelterhaus im Westflügel der Klausur bequem von den umgebenden Weinbergen aus anfahren.

Die Lage der Nikolauskapelle Ein interessanter bauhistorischer Diskurs betrifft die Nikolauskapelle (die Kapelle der Nahe-Schiffer), die oftmals im direkten Zusammenhang mit der Ringmauer genannt wird. Ältere Quellen behaupten, die Kapelle sei direkt in die Klostermauer eingebaut und somit von zwei Seiten (innen und außen) zugänglich gewesen. Die moderne Rekonstruktion widerlegt dies jedoch baulogisch: Wäre sie Teil der Klostermauer gewesen, hätte sie beim Bau der Eisenbahn 1857 zwingend weggesprengt werden müssen. Da sie die Sprengungen jedoch überstand, stand sie erwiesenermaßen separat und außerhalb der Ringmauer direkt am Flussufer.

Eingrenzung der Wirtschaftsflächen Die Umfassungsmauer bot entlang ihrer Innenseite viel Raum für notwendige Gebäude. Im südwestlichen Bereich umschloss sie höchstwahrscheinlich einen eigenen Wirtschaftshof mit Stallungen und Profanbauten zur Gewährleistung des täglichen Klosterbetriebs. Dieser funktionale Hof ließ sich durch eine rund 8 Meter kurze Quermauer baulich gänzlich vom spirituellen Zentrum und der Klausur abtrennen, blieb aber durch die Ringmauer nach außen hin voll geschützt.


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