Der Kreuzgarten (oder historisch „Creuzgarten“) bildete den offenen, unbebauten inneren Gartenbereich im Zentrum der Klausur des Klosters Rupertsberg. Er lag, wie der ihn umschließende Kreuzgang, topografisch tiefer als die angrenzende Klosterkirche im Norden.
Im größeren Kontext der Klausur und des Innenhofs beschreiben die Quellen den Kreuzgarten durch folgende Merkmale und historische Entwicklungen:
Bezeichnung und Bepflanzung Der Begriff „Creuzgarten“ ist historisch belegt und wurde unter anderem von Pater Otto in seinen Aufzeichnungen und Plänen aus dem Jahr 1779 verwendet. Über die konkrete Nutzung und Bepflanzung zu Hildegards Zeiten schweigen die Quellen zwar, jedoch liefert der detaillierte Grundstücksplan des Käufers Franz Herter aus dem Jahr 1819 wichtige Indizien: Herter verzeichnete im Bereich des ehemaligen Kreuzgartens eine blau markierte Fläche, die mit Bäumen bestanden war. Der Forscher Gerhard Roese interpretiert diese Bepflanzung als möglichen Bestand an Obstbäumen („(Obst-?) Bäume“).
Zugang Der Kreuzgarten war das offene Zentrum, das von den Wirtschafts- und Wohnflügeln der Klausur eingerahmt wurde. Die Quellen belegen einen markanten Zugang von Westen: Vom ehemaligen Westflügel der Klausur stand gegen Ende des 18. Jahrhunderts nur noch der untere Teil der Fassade. In dieser befand sich ein großer Torbogen, der als Durchgang direkt in den Kreuzgarten führte.
Teilung und spätere Überbauung Nach der Zerstörung des Klosters 1632 und dem späteren Verkauf der Ruinen in der Säkularisation ging die räumliche Geschlossenheit des Kreuzgartens verloren. Als Franz Herter das Areal 1819 aufkaufte, konnte er nicht mehr den gesamten ehemaligen Innenhof erwerben. Die westliche Hälfte des Kreuzgartens fehlte in seinem Besitz; sie war offenbar abgetrennt und als umgebender Hof dem damals im Westflügel (dem alten Kelterhaus) untergebrachten Zollamt bzw. Beamtenbau zugeschlagen worden. Zudem verkaufte Herter später die mit Bäumen bepflanzte Fläche im Kreuzgarten wieder.
Auf modernen Luftbildern (etwa von 1957) ist von dem einstigen Kreuzgarten nichts mehr zu erkennen. Die historische Ost-West-Achse der südlichen Klausur wurde von modernen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebäudenüberbaut, die heute, wie Roese anmerkt, eher durch reinen Zufall genau auf der Fläche des alten Kreuzgartens stehen.