Klosterstruktur

Im Jahr 1148 stiftete die adlige Marka von Rüdesheim die Anlage in Eibingen gezielt als Augustiner-Doppelkloster. Diese spezifische klösterliche Struktur zeichnete sich dadurch aus, dass die Einrichtung sowohl einen Männer- als auch einen Frauenkonvent gemeinsam beherbergte. Diese Form des klösterlichen Zusammenlebens war charakteristisch für die kirchenreformatorischen Bestrebungen des 12. Jahrhunderts und spiegelte den damaligen spirituellen Zeitgeist wider.

Im größeren Kontext der Gründungsgeschichte war dieser ursprünglichen Struktur jedoch nur eine kurze Existenz beschieden. Infolge kriegerischer Zerstörungen unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa stand die Anlage leer und verfiel, bis sie im Jahr 1165 von Hildegard von Bingen erworben wurde. Durch Hildegards Intervention veränderte sich die Struktur des Klosters auf mehreren Ebenen tiefgreifend:

- Wechsel des Ordens und der Geschlechterstruktur: Das ehemalige Doppelkloster der Augustiner wurde in ein reines Frauenkloster der Benediktinerinnen umgewandelt. Hildegard besiedelte die restaurierten Gebäude anfänglich mit dreißig Nonnen aus ihrem Hauptkloster Rupertsberg. - Wandel der sozialen Struktur: Während Hildegards Hauptkloster Rupertsberg streng adligen Frauen vorbehalten war, vollzog sie in Eibingen eine deutliche soziale Öffnung. Die Eibinger Gemeinschaft stand explizit auch nicht-adligen Frauen aus den bürgerlichen Schichten offen. - Administrative Hierarchie: Strukturell und administrativ unterstand das Kloster Eibingen zunächst vollständig dem Mutterkloster auf dem Rupertsberg und der Leitung Hildegards. Obwohl die Eibinger Nonnen insbesondere im 13. Jahrhundert versuchten, sich aus dieser Vormundschaft zu lösen und eine gleichrangige Stellung zu erreichen, blieb eine enge administrative und spirituelle Verflechtung der beiden Klöster dauerhaft bestehen. Dies verdeutlicht sich auch darin, dass ab dem Jahr 1603 die Leiterinnen den gemeinsamen Titel „Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen“ führten.

Zusammenfassend legte die Gründung 1148 die bauliche und kirchenrechtliche Basis in Form eines fortschrittlichen Doppelklosters. Die Zerstörung dieses ursprünglichen Konzepts ebnete jedoch den Weg für Hildegard von Bingen, die ab 1165 jene rein benediktinische, sozial offenere und hierarchisch fest an den Rupertsberg gebundene Klosterstruktur etablierte, die das Leben am Standort Eibingen für die kommenden Jahrhunderte prägte.


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