Gründung 1148

Die Gründung des Klosters Eibingen im Jahr 1148 durch die Adlige Marka (auch Marcka) von Rüdesheim bildet den historischen Ursprung der klösterlichen Tradition an diesem Ort. Im größeren Kontext der Geschichte des Augustinerklosters Eibingen markiert dieses Jahr den Beginn einer wechselvollen Entwicklung, die von Kriegen, Zerstörung und klösterlichen Umstrukturierungen geprägt war:

Die augustinische Gründungsphase (1148) Marka von Rüdesheim, Angehörige des im Rheingau ansässigen Ministerialenadels, stiftete die Anlage ursprünglich als Augustiner-Doppelkloster, was bedeutete, dass es sowohl einen Männer- als auch einen Frauenkonvent beherbergte. Diese Organisationsform spiegelte die kirchenreformatorischen Bestrebungen des 12. Jahrhunderts wider. Die Gründung und die Besitztümer des Klosters wurden durch eine offizielle Urkunde des Mainzer Erzbischofs Heinrich I. verbrieft.

Kriegerische Zerstörung und Leerstand Diese erste augustinische Epoche endete jedoch bereits nach wenigen Jahren gewaltsam. Während der Reichskriege unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa drangen kaiserliche Truppen in den Rheingau ein. Die Klostergebäude wurden brandschatzt und zerstört, woraufhin die Ordensgemeinschaft zur Flucht gezwungen wurde. Das stark beschädigte Klostergelände lag daraufhin bis zum Jahr 1165 brach und ungenutzt.

Die benediktinische Wende durch Hildegard von Bingen (1165) Seine weitreichende historische Bedeutung erlangte das Kloster, als die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen im Jahr 1165 die verlassenen Ruinen kaufte. Ihr Hauptkloster auf dem Rupertsberg litt unter starkem personellen Zuwachs, weshalb sie die Eibinger Gebäude als zweites Kloster restaurieren ließ.

Mit Hildegards Übernahme endete die augustinische Tradition vorerst: Sie besiedelte das Kloster mit 30 Benediktinerinnen. Ein bedeutender sozialer Wandel ging damit einher, denn Hildegard öffnete das neu besiedelte Kloster in Eibingen – im Gegensatz zu ihrem streng adligen Erstkloster Rupertsberg – explizit auch für nicht-adlige Frauen aus den bürgerlichen Schichten. In der modernen historischen Forschung (beispielsweise durch Matthias Schmandt) wird heute differenziert diskutiert, inwiefern Hildegard juristisch als formelle "Neugründerin" auftrat oder das Kloster lediglich administrativ und spirituell in ihr Wirkungsfeld integrierte.

Die späte Rückkehr der Augustinerinnen (1575–1603) Interessanterweise schloss sich der Kreis der augustinischen Geschichte im späten 16. Jahrhundert noch einmal kurzzeitig. Weil die Zahl der Benediktinerinnen in Eibingen durch einen demografischen Niedergang bis zum Jahr 1575 auf lediglich drei Nonnen gesunken war, zogen diese in das Kloster Marienhausen um. Die leerstehenden Gebäude des Eibinger Klosters boten daraufhin Zuflucht für Augustiner-Chorfrauen aus dem Stift St. Peter bei Bad Kreuznach, die vor der Reformation fliehen mussten. Erst im Jahr 1603 konnte die Rupertsberger Äbtissin Cunigundis Freiin von Dehrn die rechtliche Rückgabe des Besitzes an die Benediktinerinnen erfolgreich aushandeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Gründung 1148 legte zwar das bauliche und rechtliche Fundament für das Klosterleben in Eibingen, die anfängliche Augustiner-Gemeinschaft fiel jedoch fast umgehend der Zerstörung durch Barbarossas Truppen zum Opfer. Der Ort wurde erst durch den Wiederaufbau und die Neuausrichtung ab 1165 durch Hildegard von Bingen dauerhaft mit Leben und historischer Strahlkraft gefüllt.


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