Mittelalterliche Grabplatten

Die mittelalterlichen Grabplatten gehören zu den herausragendsten und aufschlussreichsten Funden der archäologischen Erforschung auf dem Disibodenberg. Im größeren Kontext der wissenschaftlichen Erschließung veranschaulichen sie, wie aus einer stummen, überwucherten Ruine wieder eine greifbare und lesbare historische Stätte wurde.

Die Entdeckung bei den systematischen Ausgrabungen (1985–1990) Als das damalige Landesamt für Denkmalpflege Mainz unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Günter Stanzl in den Jahren 1985 bis 1990 die ersten großen archäologischen Ausgrabungen auf dem Bergplateau durchführte, stießen die Forscher auf einen regelrechten Schatz: Sie entdeckten mehr als 60 kunsthistorisch überaus bedeutsame mittelalterliche Grabplatten. Diese Platten wurden primär in den zentralen klösterlichen Versammlungsbereichen, genauer im Areal des ehemaligen Kapitelsaals und des Kreuzganges, freigelegt.

Wissenschaftliche Auswertung und Entschlüsselung Die bloße archäologische Freilegung der Steine war jedoch nur der erste Schritt. Die wissenschaftliche Erschließung und Publikation dieser mehr als 60 Grabplatten übernahm Dr. Eberhard J. Nikitsch von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

Durch seine akribische Arbeit gelang es ihm, die lateinischen Inschriften der Grabplatten zu übersetzen. Die Quellen heben hervor, dass er durch diese epigraphische Forschung „zahlreiche neue Puzzlesteine zur Klostergeschichte“zusammenfügen konnte. Die Grabplatten lieferten der Forschung konkrete historische Daten und Namen, die der Anlage einen wesentlichen Teil ihrer Identität zurückgaben. Ein bauliches Beispiel für eine solche Grablege ist etwa die gotische Marienkapelle, die im Jahr 1382 von dem Ritterehepaar Antilman von Grasewege und Katharina von Homburg gestiftet und gezielt als deren Bestattungsort bestimmt wurde.

Denkmalpflegerischer Schutz und Sichtbarkeit für Besucher Im Rahmen des langfristigen archäologischen Erhalts stellte der Umgang mit den sensiblen Originalen eine Herausforderung dar. Um die wertvollen mittelalterlichen Grabplatten vor fortschreitenden Witterungsschäden und Verfall zu schützen, wurden die originalen Platten im Bereich des Kreuzgangs bewusst wieder mit Erde abgedeckt.

Die Ergebnisse der archäologischen Erforschung bleiben für heutige Besucher dennoch direkt erlebbar: In der geschützten Marienkapelle sind heute Kopien der im Kreuzgang und in der Kirche gefundenen Grabplatten ausgestellt. Darüber hinaus wird das wissenschaftliche Erbe auf dem Berg lebendig gehalten, indem Experten wie Dr. Nikitsch ihr tiefes „Insider“-Wissen über die Grabplatten und die Ausgrabungen im Rahmen von speziellen Führungen teilen und so die archäologischen Geheimni


↑ Zum Anfang