Disibodenberger Scivias Stiftung

Die Disibodenberger Scivias Stiftung bildet das zentrale institutionelle Fundament für den modernen Erhalt und die Gegenwart der historischen Klosteranlage. Im größeren Kontext beendet ihre Gründung die jahrhundertelange Phase der Zerstörung und privaten Umnutzung und überführt die Anlage in eine professionelle, langfristig gesicherte Denkmalpflege.

Von privater Initiative zur institutionellen Sicherung Nachdem der Ruinenkomplex im 19. Jahrhundert durch die Anlage eines englischen Landschaftsparks vor dem endgültigen Abriss bewahrt worden war, ging das Gelände 1954 durch Erbschaft an Gräfin Ehrengard von Hohenthal über. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Hans-Lothar Freiherr von Racknitz, widmete sie sich fortan intensiv der Sicherung und Erhaltung der stark dezimierten Bausubstanz. Um die kontinuierliche Pflege der Ruine rechtlich und finanziell dauerhaft abzusichern, gründete das Ehepaar im Jahr 1989 die Disibodenberger Scivias Stiftung. Das gesamte, etwa 2,5 bis 3 Hektar große ehemalige Klostergelände wurde dieser Stiftung dauerhaft vermacht.

Wissenschaftliche Erschließung und Denkmalpflege Die Stiftungsgründung fiel in eine Zeit der intensiven wissenschaftlichen Aufarbeitung. Zwischen 1985 und 1990 führte das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Dr. Günter Stanzl umfangreiche archäologische Ausgrabungen durch. Dabei wurden entscheidende architektonische Strukturen freigelegt und über 60 kunsthistorisch wertvolle mittelalterliche Grabplatten geborgen, deren Inschriften durch Dr. Eberhard J. Nikitsch übersetzt wurden. Die Stiftung fördert auch in der Gegenwart weiterhin Forschungsarbeiten auf dem Gelände und kümmert sich um die bauliche Sicherung der Ruinenreste.

Infrastruktur für die Gegenwart: Museum und Kapelle Ein Meilenstein für die heutige Wahrnehmung des Ortes war das Jahr 1998, in dem der 900. Geburtstag Hildegards von Bingen gefeiert wurde. Zu diesem Anlass eröffnete die Stiftung am Fuß des Berges ein neues, barrierefreies archäologisches Museum sowie die kleine Hildegardis-Kapelle. Das Museum macht die historische Tiefe des Berges für die Gegenwart greifbar: Es präsentiert Funde aus der Römerzeit, mittelalterliche Alltagsgegenstände und hochfeine gotische Steinmetzarbeiten aus der Zisterzienserzeit, die einen Eindruck von der einstigen Pracht der Abteikirche vermitteln.

Spiritueller Tourismus und gegenwärtige Nutzung Unter dem Vorsitz von Luise von Racknitz hat die Stiftung den Disibodenberg im 21. Jahrhundert zu einem lebendigen Zentrum für spirituellen Tourismus und historische Bildung entwickelt. Die Stiftung macht das Gelände – welches den romantischen Landschaftspark aus dem 19. Jahrhundert integriert – ganzjährig über ein Drehkreuz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Gegenwart auf dem Berg ist stark von Kontemplation und Erinnerungskultur geprägt. Neben den baulichen Denkmälern pflegt die Stiftung kontemplative Elemente wie den "Weg der Stille" (Meditationsweg) und ein 1996 angelegtes Labyrinth. In der Hildegardis-Kapelle hinterlassen heutige Pilger und Wanderer weiterhin Dankesbriefe, was zeigt, dass die Anlage durch die Arbeit der Disibodenberger Scivias Stiftung nicht nur als archäologisches Relikt, sondern als magischer, spiritueller "Kraftort" in der Gegenwart lebendig gehalten wird.


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