Signalsystem Oberwesel-St. Goar

Das moderne Signalsystem auf der knapp 7 Kilometer langen Strecke zwischen Oberwesel und St. Goar (der Loreley-Passage) ist das Herzstück der heutigen Wahrschau am Mittelrhein. Es sichert den nautisch anspruchsvollsten Abschnitt des gesamten Flusses ab, in dem sich der Rhein tief in das Schiefergebirge einschneidet, bei der Loreley auf bis zu 145 Meter (historisch 113 Meter) verengt und Wassertiefen von bis zu 25 Metern erreicht.

Da die steilen Felswände und scharfen Kurven in diesem Bereich einen direkten Sichtkontakt sowie eine direkte UKW-Sprechfunkverbindung (Schiff-zu-Schiff) verhindern, ist das System für die Sicherheit unabdingbar.

Das Grundprinzip der Verkehrsregelung Weil zu Tal fahrende Schiffe (Talfahrt) durch die starke Strömung geschoben werden und kaum abbremsen können, ist in den Engstellen grundsätzlich die bergwärts fahrende Schifffahrt (Bergfahrt) wartepflichtig. Das Signalsystem hat daher primär die Aufgabe, der Bergfahrt anzuzeigen, ob und in welcher Größe ihr Schiffe im Tal entgegenkommen, damit sie vor den engen Kurven rechtzeitig anhalten kann.

Zentrale Steuerung und Radartechnik Das System wird rund um die Uhr zentral von der Revierzentrale Oberwesel (Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen) gesteuert. Die Wahrschauer in der Zentrale überwachen den gesamten Bereich über Monitore, die ihre Bilder von vier Landradarstationen (in Oberwesel, gegenüber dem Kammereck, gegenüber der Loreley und am Bankeck) erhalten. Um zudem das Funkloch in den engen Kurven zu überbrücken, wurde 1980 ein spezielles Kabel am Ufer verlegt, das die Funkanlagen von Oberwesel und St. Goar verbindet. Funksprüche auf UKW-Kanal 10 werden so am einen Ende empfangen, durch das Kabel geleitet und am anderen Ende wieder ausgestrahlt.

Die fünf Signalstellen Das optische Lichtwahrschau-System besteht aus fünf markanten Signalstellen, die sich alle am linken (westlichen) Rheinufer befinden:

- Für die Talfahrt (A und B): Die Signalstellen Am Ochsenturm (A) und Am Kammereck (B) sind nur für Talfahrer sichtbar. Sie warnen mit weißen Blinklichtern vor sehr großen Bergfahrern (über 110 Meter) und können die Talfahrt mit roten Ampeln komplett sperren. - Für die Bergfahrt (C, D und E): Die Signalstellen Am Betteck (C), Gegenüber der Loreley (D) und Bankeck (E) richten sich exakt an die Bergfahrt und zeigen ihr detailliert den talwärts kommenden Gegenverkehr an.

Aufbau der Leuchtsignale und Abschnitte Um die Position der Schiffe exakt darzustellen, wurde die Strecke zum 1. Dezember 2013 in sieben genau definierte Wahrschauabschnitte unterteilt. Die Signaltafeln für die Bergfahrt sind schwarze Tafeln mit übereinander angeordneten Signalfeldern. Das unterste Feld steht dabei immer für den nächstliegenden Flussabschnitt, die darüberliegenden Felder für die weiter entfernten Abschnitte.

Die Art des Gegenverkehrs wird durch weiße Lichtbalken dargestellt, die als Dreiecksschenkel angeordnet sind:

- Kein Licht: Es befindet sich kein Talfahrer in diesem Abschnitt. - Ein Balken: Mindestens ein Einzelfahrer bis 110 Meter Länge fährt zu Tal. - Zwei Balken: Ein großer Einzelfahrer (über 110 Meter) oder ein Schubverband bis 110 Meter nähert sich. - Drei Balken (geschlossenes Dreieck): Mindestens ein großer Verband über 110 Meter Länge fährt zu Tal. - Rote Lichter: Bei allen Stationen weisen rote Lichter auf eine sofortige Sperrung der jeweiligen Fahrtrichtung hin.


↑ Zum Anfang