Verkehrslenkung (Wahrschau)

Der Begriff „Wahrschau“ leitet sich vom niederländischen Wort „waarschuwen“ (warnen) ab und bezeichnet das optische Verkehrslenkungs- und Warnsystem, das die Sicherheit auf dem extrem unübersichtlichen Mittelrhein gewährleistet.

Die Notwendigkeit der Verkehrslenkung Im tief eingeschnittenen Durchbruchstal des Rheinischen Schiefergebirges verhindern steile Felswände und stark gewundene Kurven einen ausreichenden Sicht- und direkten UKW-Funkkontakt zwischen den Schiffen. Da talwärts fahrende Schiffe (Talfahrt) durch die starke Strömung des Rheins förmlich geschoben werden und kaum kurzfristig aufstoppen oder bremsen können, ist bei Begegnungen in Engstellen grundsätzlich die bergwärts fahrende Schifffahrt (Bergfahrt) wartepflichtig. Um rechtzeitig anhalten oder ausweichen zu können, muss die Bergfahrt zwingend darüber informiert werden, wie viele und welche Art von Schiffen ihr im Tal entgegenkommen.

Historische Wahrschau am Binger Loch Am berüchtigten Binger Loch wurde bereits im Jahr 1855 eine Wahrschaustation im Mäuseturm eingerichtet. Ursprünglich bedienten sich die Wahrschauer optischer Hilfsmittel wie Signalstangen, Körben und Flaggen. So kündigte etwa eine rote Flagge ein einzelnes Talfahrtschiff an, eine weiße Flagge einen Schleppzug und die Kombination aus beiden ein großes Holzfloß. Erst mit dem massiven Rheinausbau und der Eröffnung der 120 Meter breiten Fahrrinne verlor dieses Nadelöhr seine nautische Enge. Da die extrem breite Rinne das alte Warnsystem überflüssig machte, wurde die Wahrschau im Binger Loch (Mäuseturm) am 5. September 1974 endgültig eingestellt.

Die moderne Lichtwahrschau an der Loreley (Teilabschnitt 3 der Abladeoptimierung) Heute konzentriert sich die Wahrschau auf den nautisch anspruchsvollsten, knapp 7 Kilometer langen Rheinabschnitt zwischen Oberwesel und Sankt Goar (Loreley-Passage). Dieser Bereich fällt räumlich exakt in den „Teilabschnitt 3“ (Jungferngrund und Geisenrücken) des heutigen Großprojekts „Abladeoptimierung Mittelrhein“. Während die Abladeoptimierung die noch verbliebenen Untiefen beseitigt, um die Fahrrinnentiefe für schwer beladene Schiffe zu verbessern, regelt die Wahrschau die sichere Begegnung der Schiffe in der Breite.

Bereits 1972 wurde das System von Flaggensignalen auf moderne Lichtsignalanlagen umgerüstet. Im Jahr 2013 wurde die Wahrschaustrecke nochmals auf sieben präzise definierte Abschnitte erweitert. Die moderne Verkehrslenkung funktioniert wie folgt:

- Zentrale Steuerung: Das gesamte System wird heute rund um die Uhr zentral von der Revierzentrale Oberwesel(eine Betriebsstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen) gesteuert. - Radarüberwachung: Die Wahrschauer überwachen die unübersichtliche Strecke lückenlos über Monitore, die ihre Bilder von vier Landradarstationen (in Oberwesel, gegenüber dem Kammereck, an der Loreley und am Bankeck) erhalten. Zusätzlich sichert ein am Ufer verlegtes Kabel den UKW-Sprechfunk ab. - Lichtsignale: An fünf markanten linksrheinischen Signalstellen (u.a. Am Ochsenturm, Am Kammereck, Am Betteck, An der Bank) informieren schwarze Anzeigetafeln mit weißen Lichtbalken die Berg- oder Talfahrer. Die Anordnung der Striche (als Dreiecksschenkel) symbolisiert präzise, ob es sich beim Gegenverkehr um kleine Einzelfahrer (bis 110 Meter), große Einzelfahrer oder lange Schubverbände (über 110 Meter) handelt. Bei akuter Gefahr oder Sperrungen werden zudem rote Lichter geschaltet.


↑ Zum Anfang