Reichsfürsten-Status in der Altmark

Der Aufstieg zu Reichsfürsten durch die Herrschaft über die Altmark markiert den absoluten Höhepunkt in der territorialen Machtpolitik der Udonen (Grafen von Stade). Dieser Status veränderte ihre machtpolitische Position im norddeutschen Raum im 11. Jahrhundert grundlegend.

Im größeren Kontext der territorialen Machtsicherung lässt sich diese Entwicklung anhand folgender Aspekte aus den Quellen darstellen:

1. Erwerb des Markgrafentitels (1056) Die Gelegenheit zur territorialen Expansion in den Rang eines Reichsfürsten bot sich den Udonen im Jahr 1056. Nachdem der sächsische Markgraf Wilhelm von Haldensleben in der Schlacht von Pritzlawa vernichtend von den slawischen Liutizen geschlagen und getötet worden war, ernannte Kaiser Heinrich III. den Grafen Lothar Udo I. zum neuen Markgrafen der Nordmark.

2. Die Altmark als faktische Nordmark Aufgrund des großen Slawenaufstandes von 983 waren die ostelbischen Gebiete zu diesem Zeitpunkt für das Reich weitgehend verloren gegangen. Die sogenannte „Nordmark“ beschränkte sich daher faktisch fast nur noch auf das Gebiet der Altmark westlich der Mittelelbe. Dennoch war dieser Titelbesitz von enormer Bedeutung: Die Verleihung des Markgrafentitels erhob die Udonen offiziell in den elitären Rang von Reichsfürsten.

3. Die strategische Zweiteilung der Macht (Dualismus ab 1063) Die territoriale Machtpolitik der Udonen war in der Folge durch einen klugen juristischen und strategischen Dualismus geprägt: Während sie in der Altmark bis zum Jahr 1134 als unmittelbare Reichsfürsten herrschten, gaben sie diese Reichsunmittelbarkeit für ihre alte Stammgrafschaft Stade an der Unterelbe nach Konflikten freiwillig auf. Im Jahr 1063 verkaufte Lothar Udo II. die formelle Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft Stade an das Erzbistum Bremen unter Erzbischof Adalbert, um sie sofort als Lehen wieder zurückzuerhalten. Diese lehnsrechtliche Konstruktion bot der Dynastie großen finanziellen Spielraum und sicherte ihnen den dauerhaften militärischen Schutz der Bremer Kirche, den sie im erbitterten Konkurrenzkampf mit dem rivalisierenden Haus der Billunger dringend benötigten.

4. Verlust der Altmark und Ende des Reichsfürsten-Status Der Status der Udonen als Reichsfürsten in der Altmark endete im Jahr 1134, gut ein Jahrzehnt vor dem endgültigen Aussterben ihres weltlichen Mannesstammes. Der Markgrafentitel für die Nordmark ging in diesem Jahr an den ehrgeizigen Askanier Albrecht I. (den Bären) über, einem Enkel des Billunger-Herzogs Magnus. Albrecht dem Bären gelang später von der Altmark aus die erneute Expansion nach Osten, womit er die Nordmark zur Mark Brandenburg ausbaute.

Zusammenfassend zeigt der Reichsfürsten-Status in der Altmark, wie geschickt die Udonen kaiserliche Gunst, vakant gewordene Grenzmarken und kirchenpolitische Lehensverträge (mit Bremen) kombinierten, um sich im Hochmittelalter als eine der führenden Territorialmächte Norddeutschlands zu etablieren.


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