Mutter: Richardis von Sponheim

Richgard (Richardis I.) von Sponheim (* um 1090; † 1151) war die Mutter der Richardis von Stade und nach dem frühen Tod ihres Ehemannes, des Markgrafen Rudolf I. (1124), das unbestrittene weibliche Oberhaupt der udonischen Kernfamilie. Ihr Leben spiegelt auf eindrucksvolle Weise den Überlebenskampf und den strategischen Wandel ihrer Dynastie wider: von einer weltlichen Territorialmacht hin zu einem kirchenpolitischen Netzwerk.

Die Quellen heben im Kontext ihrer Familie vor allem folgende Aspekte hervor:

Die Rolle als Witwe und Familienoberhaupt Nachdem ihr Ehemann Rudolf I. 1124 verstarb, war Richgard fast drei Jahrzehnte lang Witwe. In dieser Zeit zog sie sich auf ihre ostfälischen Güter in der Nähe von Magdeburg und Jerichow zurück, wo sie die Geschicke der Familie lenkte und wo auch ihr Sohn Hartwig (der spätere Erzbischof von Bremen) erzogen wurde. Richgard erlebte eine Zeit familiärer Tragödien: Sie musste nicht nur den Tod ihres Mannes, sondern auch den gewaltsamen Tod ihrer beiden ältesten Söhne Udo IV. (1130) und Rudolf II. (1144) miterleben, mit denen der weltliche Mannesstamm der Dynastie zusammenbrach.

Spirituelles Mäzenatentum und rheinische Netzwerke Als Tochter des Magdeburger Burggrafen Hermann stammte Richgard aus dem einflussreichen Geschlecht der Sponheimer. Diese Abstammung brachte weitreichende rheinische Besitztümer und Netzwerke in die Stader Familie ein. Richgard widmete sich intensiv Werken der Frömmigkeit und beschenkte reichlich Kirchen und Klöster. Gemeinsam mit ihrem Sohn Hartwig stiftete sie beispielsweise Güter für die Propstei Neumünster und das Prämonstratenserstift Jerichow. Zudem war sie Mitstifterin des Klosters Sponheim.

Besonders bedeutsam war ihre Abstammung für das Schicksal ihrer jüngsten Tochter Richardis: Da Richgards Tante die Klausnerin Jutta von Sponheim war, wurde die junge Richardis in die Obhut von Juttas ehemaliger Schülerin, der Mystikerin Hildegard von Bingen, gegeben. Richgard nutzte ihre Stellung als mächtige Adlige intensiv, um Hildegard von Bingen zu protegieren, und verhalf ihr maßgeblich zur Unabhängigkeit und zur Gründung des Klosters Rupertsberg. Hildegard bedachte, dass Richgard ihr insbesondere deshalb so wohlgesinnt war, weil deren eigene Tochter Richardis ihre engste Vertraute und Schreiberin war.

Kirchenpolitisches Kalkül und der Konflikt um Bassum Die Zuneigung zwischen Richgard und Hildegard von Bingen schlug jedoch in einen dramatischen Konflikt um. Als der weltliche Einfluss der Udonen erloschen war, nutzte Richgard die verbliebenen weiblichen Mitglieder ihrer Kernfamilie – ihre Tochter Richardis und ihre Enkelin Adelheid –, um die schwindende familiäre Macht durch die Besetzung bedeutender sächsischer Frauenstifte abzusichern.

Auf massives Drängen Richgards und ihres Sohnes Hartwig wurde die junge Richardis 1151 zur Äbtissin von Bassum gewählt. Hildegard von Bingen war zutiefst erschüttert über den Verlust ihrer Lieblingstochter und warf der Kernfamilie puren weltlichen Ehrgeiz vor. Hildegard verfasste daraufhin einen sehr scharfen und persönlichen Brief direkt an die Mutter Richgard, in dem sie versuchte, an deren mütterliche Gefühle zu appellieren. Sie warnte die Markgräfin eindringlich: Die Abtswürde sei „sicherlich, sicherlich, sicherlich nicht der Wille Gottes, noch mit dem Heil ihrer Seelen vereinbar.“. Hildegard ermahnte Richgard, sie solle nicht zum Ruin der Seele ihrer Tochter werden und rief Gott an, er möge Richgards Verstand in der „kurzen Zeit, die dir noch zum Leben bleibt“, erhellen.

Ihr Tod und das Ende der Dynastie Diese düstere Prophezeiung bewahrheitete sich auf tragische Weise: Richgard von Sponheim starb noch im selben Jahr 1151, bevor der Streit um den Wechsel ihrer Tochter vollständig abgeschlossen war. Nach ihrem Tod übernahm ihr Sohn Hartwig als letztes männliches Familienoberhaupt die endgültige Versetzung der jüngeren Richardis, die Hildegard schließlich zulassen musste. Das von Richgard geschmiedete Netzwerk hielt jedoch nicht lange stand, da ihre Töchter kurz nach ihr starben: Ihre Tochter Liutgard wurde im Januar 1152 ermordet, und ihre Tochter Richardis verstarb bereits im Oktober 1152 nach nur einjähriger Amtszeit als Äbtissin.


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