Die Erhebung zu Markgrafen der Nordmark im 11. Jahrhundert markiert den absoluten politischen Höhepunkt in der Geschichte der Udonen (Grafen von Stade). Durch diesen Titel wandelte sich die Familie von regionalen sächsischen Grafen zu einflussreichen Reichsfürsten, was ihre dynastische Politik und ihr Selbstverständnis nachhaltig prägte.
Aus den Quellen lassen sich folgende zentrale Entwicklungen in diesem Kontext ableiten:
Die Erlangung der Markgrafenwürde (1056) Im Jahr 1056 fiel der amtierende sächsische Markgraf Wilhelm (aus dem Haus Haldensleben) in der Schlacht von Pritzlawa im Kampf gegen den slawischen Stamm der Liutizen. Daraufhin ernannte Kaiser Heinrich III. noch im selben Jahr den Udonen Lothar Udo I. zum neuen Markgrafen der Nordmark. Obwohl es Widerstand gegen diese Ernennung gab – Lothar Udo I. wurde bereits 1057 von Verbündeten eines illegitimen Gegenkandidaten namens Otto ermordet –, konnte sein Sohn Lothar Udo II. die Position für die Familie sichern.
Reale Macht und Rangerhöhung Faktisch war die Nordmark zu diesem Zeitpunkt territorial stark geschrumpft: Durch den großen Slawenaufstand von 983 beschränkte sich das Herrschaftsgebiet der Markgrafen im Wesentlichen nur noch auf die Altmark westlich der Mittelelbe. Dennoch war der Titel von enormer strategischer und repräsentativer Bedeutung, da er die Udonen in den erlesenen Stand der Reichsfürsten erhob. Das Prestige dieses Amtes strahlte auch auf ihre norddeutschen Stammlande ab; so wurde die heimatliche Grafschaft Stade an der Unterelbe in kaiserlichen Urkunden fortan oft respektvoll als comitatus marchionis Udonis (Grafschaft des Markgrafen Udo) bezeichnet.
Konsolidierung durch Lehnsdiplomatie (1063) Da die Udonen nun in der Nordmark und an der Elbe gleichermaßen engagiert waren, vollzog Lothar Udo II. im Jahr 1063 einen diplomatischen Schachzug: Er verkaufte die formelle Reichsunmittelbarkeit seiner Stader Stammgrafschaft an das Erzbistum Bremen, um sie sofort als schützendes Lehen zurückzuerhalten. Dies verschaffte der Dynastie finanzielle Mittel und militärischen Rückhalt gegen ihre regionalen Rivalen (wie die Billunger), sodass sie sich als imperiale Vasallen stärker auf ihre markgräflichen Aufgaben konzentrieren konnte. Zeitweise (1068) erhielt Lothar Udo II. von Kaiser Heinrich IV. sogar zusätzlich die Mark Zeitz zugesprochen.
Kaiserliche Konflikte und vorübergehender Amtsverlust Im frühen 12. Jahrhundert gerieten die udonischen Markgrafen in die großen Reichskonflikte ihrer Zeit. Markgraf Rudolf I. (der Vater der später berühmten Äbtissin Richardis von Stade) verbündete sich 1112 mit dem sächsischen Herzog Lothar von Süpplingenburg gegen Kaiser Heinrich V.. Als Konsequenz wurde Rudolf I. vom Kaiser abgesetzt und die Nordmark vorübergehend an Helperich von Plötzkau vergeben, ehe das Amt 1114 wieder an die Udonen (an Rudolfs minderjährigen Neffen Heinrich II.) zurückfiel.
Das Ende der Udonen in der Nordmark (1134) Wie auch in ihrer Stader Heimat leitete das Aussterben fähiger männlicher Erben den Verlust der Nordmark ein. Nachdem der udonische Markgraf Heinrich IV. 1128 ohne männliche Nachkommen verstorben war und auch spätere Vertreter wie Udo IV. (V.) 1130 gewaltsam zu Tode kamen, entglitt der Familie die Kontrolle über das Territorium.
Im Jahr 1134 entzog der spätere Kaiser Lothar III. den Udonen den Titel endgültig und belehnte den Askanier Albrecht I. („den Bären“) mit der Nordmark. Albrecht nutzte dieses udonische Erbe als Fundament für eine weitreichende Expansion nach Osten und formte daraus die historische Mark Brandenburg.
Die Udonen waren somit für fast 80 Jahre die Träger einer der wichtigsten Grenzmarken des Reiches, bevor ihr dynastischer Niedergang den Weg für den Aufstieg der Askanier und den Verlust all ihrer weltlichen Herrschaften freimachte.