Rudolf II. von Freckleben (auch Rudolf II. von Stade genannt) war einer der älteren Brüder der Richardis von Stade und ging als der letzte weltliche Graf von Stade aus der Dynastie der Udonen in die Geschichte ein. Sein Leben und vor allem sein plötzlicher, gewaltsamer Tod im Jahr 1144 bildeten den absoluten Wendepunkt für das Schicksal seiner Kernfamilie.
Die Quellen zeichnen folgendes Bild von Rudolf II. und seiner Bedeutung für die Familie der Richardis:
Stellung in der Kernfamilie und Rückgewinnung Stades Als Sohn des Markgrafen Rudolf I. und der Richgard von Sponheim gehörte Rudolf II. mit seinen Geschwistern Udo IV., Hartwig I., Liutgard und Richardis zur letzten Generation der Udonen. Nachdem sein älterer Bruder Udo IV. bereits 1130 in einer Schlacht gefallen war, ruhten die weltlichen Hoffnungen der Familie auf ihm. Die Grafschaft Stade war der Familie zeitweise durch den ehrgeizigen Ministerialen Friedrich von Stade entglitten, doch nach dessen Tod im Jahr 1135 wurde Rudolf II. wieder offiziell mit der Grafschaft belehnt. Er war mit Elisabeth, einer Schwester des Markgrafen Ottokar von Steiermark, verheiratet, die Ehe blieb jedoch kinderlos. Als weltliches Oberhaupt der Familie trat er auch gemeinsam mit seiner Mutter Richgard und seinem geistlichen Bruder Hartwig als Förderer der Kirche auf, etwa 1143 bei Schenkungen an die Propstei Neumünster.
Sein gewaltsamer Tod in Dithmarschen Das Ende von Rudolfs Herrschaft kam ebenso plötzlich wie brutal: Am 10. oder 15. März 1144 wurde Rudolf II. von aufständischen Bauern in Dithmarschen erschlagen. Die Quellen berichten, dass die Dithmarscher Bauern sich zu diesem Akt der Gewalt entschlossen, weil sie die drückenden Herrschaftsanforderungen ("Bedrückungen") des Grafen nicht länger ertragen konnten. Zu Ehren seines getöteten Bruders errichtete der spätere Erzbischof Hartwig I. eine Gedenkstätte, die Petrikirche in Burg (Dithmarschen).
Die Konsequenzen für die Kernfamilie (Der Zusammenbruch) Der Tod Rudolfs II. löste in der Kernfamilie der Richardis eine existenzielle Krise aus. Da Rudolf kinderlos verstarb und der einzige überlebende Bruder, Hartwig I., bereits die klerikale Laufbahn eingeschlagen hatte, erlosch mit Rudolfs Tod der weltliche Mannesstamm der Udonen endgültig.
Dies hatte weitreichende kirchenpolitische und persönliche Folgen für die gesamte Kernfamilie:
- Der Kampf um das Erbe: Die weitreichenden Ländereien der Udonen fielen nun an den Geistlichen Hartwig I., der sie als Verhandlungsmasse nutzte, um Erzbischof von Bremen zu werden, was wiederum den mächtigen Welfenherzog Heinrich den Löwen auf den Plan rief. Heinrich ignorierte die Erbfolge und usurpierte die Stader Ländereien. - Das Schicksal der Frauen: Weil die weltliche Machtbasis durch Rudolfs Tod weggebrochen war, änderten Mutter Richgard und Bruder Hartwig ihre Überlebensstrategie drastisch. Sie versuchten nun, den familiären Einfluss durch die Besetzung von einflussreichen Frauenstiften zu sichern. Genau dieses familiäre Kalkül in der Zeit nach Rudolfs Tod führte 1151 dazu, dass Richardis von Stade gegen den Widerstand Hildegards von Bingen aus dem Kloster Rupertsberg herausgerissen und als Äbtissin in Bassum installiert wurde.
Im größeren Kontext der Kernfamilie besiegelte der Tod des Bruders Rudolf II. von Freckleben somit den Untergang der Udonen als weltliche Territorialmacht und war der direkte Auslöser dafür, dass Richardis und die anderen Frauen der Familie zu kirchenpolitischen Werkzeugen umfunktioniert wurden.