Kelterhaus & Keller: Im westlichen Klausurflügel

Im baulichen Gesamtgefüge der Nebengebäude und Wirtschaftsstrukturen des Klosters Rupertsberg bildete das Kelterhaus mit dem darunterliegenden Keller im westlichen Klausurflügel ein zentrales Element für die autarke landwirtschaftliche Versorgung des Konvents. Der Weinbau stellte ein wesentliches Standbein der klösterlichen Wirtschaft dar.

Architektonische Gliederung des Westflügels Der westliche Flügel der Klausur war vornehmlich wirtschaftlichen und dienenden Zwecken vorbehalten und wird in der Rekonstruktion in drei bauliche Abschnitte unterteilt. Der südlichste dieser Abschnitte war ein schmaler, zweigeschossiger Baukörper, der von Pater Otto in seinen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1779 explizit als „Kelterhaus und Keller“ beschrieben wurde. Der übrige Westflügel verfügte über Tore, wobei für das späte 18. Jahrhundert noch die untere Westfassade mit einem nördlichen Tor dokumentiert ist, das nach der Zerstörung des eigentlichen Baus als Durchgang direkt in den Kreuzgarten diente. Da Süd- und Nordkompartiment anscheinend jeweils über eigene Zugänge verfügten, nimmt die Forschung an, dass sich auch in der Mitte des Gebäudes ein Tor befand.

Logistik und Anbindung an die Außenanlagen Die Positionierung des Kelterhauses im äußersten Westen der Anlage war logistisch ideal in das System der Wirtschaftsgebäude integriert. Die Rekonstruktion geht von einer eigenen Pforte in der westlichen Klostermauer (an einer Abknickstelle am Wallweg) aus. Durch diese Durchfahrt ließ sich das Kelterhaus im Klausurflügel äußerst bequem von den umgebenden Weinbergen aus mit Fuhrwerken anfahren. Innerhalb der Klostermauern war zudem ein Konventgarten verortet, von dem allein zwei Morgen als eigene Rebfläche angelegt waren. Von diesen Wirtschaftsgebäuden im Westen des Areals führte ein Tor direkt nach Westen in Richtung des Ortes Weiler, wo das Kloster seinen Meierhof (den landwirtschaftlichen Gutsbetrieb) unterhielt.

Überdauern der Zerstörung und Umnutzung Im Gegensatz zu den spirituellen und repräsentativen Bauten blieb der südliche Teil des Westflügels nach der Zerstörung des Klosters durch schwedische Truppen (1632) am längsten erhalten oder wurde frühzeitig, wenn auch in vereinfachter Form ohne Rundbogenfenster, wiederaufgebaut. Während er 1779 noch seiner namensgebenden Funktion als Kelterhaus mit Keller diente, wandelte sich die Nutzung im 19. Jahrhundert: Auf dem detaillierten Grundstücksplan des Käufers Franz Herter aus dem Jahr 1819 wird dieses alte Klausurgebäude als Zollamt beziehungsweise als damaliger „Beamtenbau“ verzeichnet. Bei der Versteigerung des Areals war die westliche Hälfte des Kreuzhofes abgetrennt und diesem Zollamt als Hof zugeschlagen worden. Auf modernen Luftbildern (etwa von 1957) ist schließlich erkennbar, dass auch das umgenutzte Kelterhaus restlos verschwunden ist.


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