Rolle als Spender (Ökonomie)

Die Rolle als Spender gehörte im Hochmittelalter zu den wesentlichen Aufgaben adliger Familien. Schenkungen an Klöster und Stifte dienten nicht allein der Frömmigkeit, sondern erfüllten zugleich wirtschaftliche, gesellschaftliche und kirchenpolitische Funktionen. Für Familien des niederen Adels, zu denen auch die Bermersheimer zählten, waren sie ein wichtiges Mittel, um den eigenen Besitz zu sichern und dauerhafte Beziehungen zu geistlichen Einrichtungen aufzubauen.

Schenkungen als Bestandteil der Familienpolitik Auch Hildebert von Bermersheim stellte die materiellen Voraussetzungen für die geistliche Laufbahn seiner Kinder bereit. Die Aufnahme eines Kindes in ein Kloster war regelmäßig mit einer Stiftung verbunden. Während des Aufnahmezeremoniells wurde die Schenkungsurkunde gemeinsam mit der Hand des Kindes in das Altartuch eingeschlagen und damit symbolisch der Übergang in die klösterliche Gemeinschaft vollzogen. Aus solchen Urkunden sind unter anderem auch die Namen von Hildegards Schwestern Irmengard, Odilia und Jutta überliefert.

Für viele Familien des niederen Adels erfüllten diese Stiftungen mehrere Aufgaben zugleich. Sie ermöglichten den Eintritt in angesehene geistliche Gemeinschaften, stärkten die Verbindung zur Kirche und trugen dazu bei, den Familienbesitz vor einer weiteren Aufteilung durch Erbteilungen zu bewahren. Gleichzeitig verband sich damit die Hoffnung auf das liturgische Totengedenken sowie auf ein dauerhaftes Ansehen innerhalb des regionalen Adels und der kirchlichen Institutionen. Bei Töchtern ersetzte die klösterliche Mitgift vielfach die Ausstattung, die andernfalls für eine standesgemäße Heirat erforderlich gewesen wäre.

Die wirtschaftliche Bedeutung für den Disibodenberg Die eingebrachten Mitgiften und Schenkungen bildeten einen wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlage des Klosters Disibodenberg. Sie wurden vom Abt verwaltet und gingen in den Besitz der Abtei über. Mit der wachsenden Bekanntheit Hildegards nahm außerdem die Zahl der Besucher und Förderer zu, wodurch weitere Stiftungen und Schenkungen an das Kloster gelangten. Ihr Ansehen wirkte sich damit auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Konvents aus.

Der Streit um Besitz und Mitgiften Als Hildegard um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Gründung eines eigenen Klosters auf dem Rupertsberg anstrebte, entstand ein Konflikt über die Vermögenswerte der Frauengemeinschaft. Abt Kuno widersetzte sich dem Auszug unter anderem deshalb, weil die Mitgiften und Schenkungen der Nonnen einen bedeutenden Teil der wirtschaftlichen Grundlage des Disibodenbergs bildeten. Die Herausgabe dieser Güter wurde zunächst verweigert, sodass die neue Gemeinschaft auf dem Rupertsberg ihre ersten Jahre unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen verbringen musste.

Erst nach langwierigen Verhandlungen konnte eine Einigung erzielt werden. Hildegard zahlte dem Disibodenberger Konvent eine erhebliche Abfindung und erreichte dadurch die endgültige Regelung der Vermögensfrage. Damit schuf sie zugleich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die selbstständige Entwicklung ihres neuen Klosters.

Förderung durch adlige Wohltäter Auch nach der Übersiedlung blieb der Rupertsberger Konvent auf die Unterstützung wohlhabender Förderer angewiesen. Mehrere Angehörige des Hochadels unterstützten das neue Kloster durch Schenkungen und Stiftungen. Zu den bedeutenden Gönnern gehörten unter anderem Gertrud von Stahleck sowie ihr Ehemann Hermann von Stahleck, Pfalzgraf bei Rhein, deren Förderung den weiteren Ausbau des Klosters begünstigte.

Die Stiftungstätigkeit adliger Familien bildete somit eine wesentliche Voraussetzung für Hildegards klösterliche Laufbahn. Zugleich wurde die Verfügung über Mitgiften und Schenkungen später zu einem zentralen Streitpunkt auf dem Weg zur rechtlichen und wirtschaftlichen Selbstständigkeit des Klosters Rupertsberg.


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