Arnold I., der in den Quellen als Neffe oder Cousin Hildegards von Bingen erscheint, war von 1169 bis 1183 Erzbischof von Trier. Mit diesem Amt gehörte er zu den ranghöchsten geistlichen Fürsten des Reiches und nahm innerhalb der rheinischen Kirchenprovinz eine herausragende Stellung ein.
Seine Ernennung fügt sich in das Bild einer Familie, deren Angehörige mehrfach bedeutende kirchliche Ämter innehatten. Für viele Adelsgeschlechter des Hochmittelalters war es üblich, nachgeborene Familienmitglieder in Domkapiteln, Stiften oder Klöstern unterzubringen. Auf diese Weise konnten sie einerseits den Familienbesitz vor weiterer Aufteilung bewahren und andererseits ihren Einfluss innerhalb der Reichskirche ausbauen.
Arnold I. war Teil eines weitreichenden familiären Beziehungsnetzes, das mehrere bedeutende kirchliche Zentren miteinander verband:
- Während Arnold I. das Erzbistum Trier leitete, - bekleidete Hildegards Bruder Hugo das Amt des Domkantors in Mainz, - Wezelin war Propst von St. Andreas in Köln, - und Rorich wirkte als Kanoniker am Stift Tholey und vertrat dort die Interessen der Familie im lothringischen Grenzraum.
Für Hildegard waren diese Verbindungen von erheblicher Bedeutung. Trier spielte bereits zuvor eine wichtige Rolle in ihrem Leben, da Papst Eugen III. auf der Synode von 1147/48 Teile ihrer Visionen und Schriften zustimmend aufnehmen ließ. Dass später ein naher Verwandter den Trierer Erzbischofsstuhl innehatte, verstärkte die Nähe ihrer Familie zu einem der bedeutendsten kirchlichen Zentren des Reiches zusätzlich.
Die Laufbahn Arnolds I. verdeutlicht, dass Hildegards Wirken nicht losgelöst von ihrem familiären Umfeld betrachtet werden kann. Die enge Verbindung ihrer Verwandtschaft zu den Erzbistümern von Mainz, Trier und Köln schuf ein Netzwerk persönlicher Kontakte, das ihre Beziehungen innerhalb der Kirche erleichterte und ihrem Auftreten zusätzlichen institutionellen Rückhalt verlieh. Neben ihrer theologischen Autorität und ihrer persönlichen Ausstrahlung trugen auch diese familiären Verbindungen dazu bei, dass ihre Schriften Verbreitung fanden und sie sich innerhalb der kirchlichen Öffentlichkeit des 12. Jahrhunderts dauerhaft behaupten konnte.