Die Zisterzienser-Ära ab dem Jahr 1259 markiert die dritte und letzte große klösterliche Blütezeit in der mittelalterlichen Entwicklung des Disibodenbergs. Nach der Gründungsphase durch die Augustiner-Chorherren und dem spirituellen sowie romanischen Höhepunkt unter den Benediktinern (der durch Hildegard von Bingen geprägt war), vollzogen die Zisterzienser eine beispiellose Rettung der Anlage und überführten sie in eine Epoche der hochgradigen ökonomischen Konsolidierung und gotischen Architekturexpansion.
Krise und Rettung vor dem Ruin (1259) Im größeren historischen Kontext war die Übergabe an die Zisterzienser eine absolute Notmaßnahme. Nach dem Abzug Hildegards Mitte des 12. Jahrhunderts rutschte die einstige Benediktinerabtei in einen langanhaltenden spirituellen und wirtschaftlichen Niedergang ab. Verheerende Fehden (insbesondere in den 1240er Jahren mit den Wildgrafen von Kyrburg) und das um sich greifende Raubrittertum stürzten das Kloster in völlige Verschuldung und Verwahrlosung. Um die altehrwürdige Abtei vor dem endgültigen Untergang zu bewahren, ordnete der Mainzer Erzbischof Gerhard im Jahr 1259 an, das Kloster an den Zisterzienserorden zu übergeben.
Ökonomischer Aufschwung und Agrarwirtschaft Daraufhin bezogen zwölf Zisterziensermönche aus dem pfälzischen Kloster Otterberg (einer Filiation des Klosters Eberbach aus der Primarabtei Clairvaux) den verfallenen Disibodenberg. Durch ihre strenge Ordenszucht, ihre disziplinierte Verwaltung und ihr herausragendes agrarökonomisches Wissen gelang es ihnen binnen weniger Jahre, die zerrütteten Finanzen vollständig zu sanieren. Ein entscheidender Faktor dieses dritten klösterlichen Frühlings war der systematische Ausbau der landwirtschaftlichen Betriebe, wobei insbesondere der Weinbau an den steilen Südhängen zu einem zentralen und lukrativen Wirtschaftsfaktor des Klosters ausgebaut wurde.
Der gotische Umbau der Klosteranlage Mit dem neu erwirtschafteten Reichtum wandelten die Zisterzienser das architektonische Gesicht des Berges radikal von der Romanik hin zur Gotik. Aus dieser von ihnen geprägten Bauphase stammen die meisten Ruinen, die den Berg noch heute dominieren. Zu ihren architektonischen Meisterwerken zählten:
- Ein monumentales, dreigeschossiges Hospiz (Gästehaus) mit hoch aufragenden Giebeln und repräsentativen Kaminen, das für die Unterbringung von adligen Gästen und Laienbrüdern konzipiert war. - Das große Abteigebäude, das über einen von mächtigen Säulen getragenen, zweischiffigen und beheizbaren Saal als Residenz für den Abt verfügte. - Die aufwendige Einwölbung des Kreuzgangs mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe und die Gotisierung der alten romanischen Abteikirche St. Nikolaus.
Ingenieurstechnische Meisterschaft: Die Wasserversorgung Im Kontext der mittelalterlichen Klosterentwicklung lösten die Zisterzienser zudem das größte Überlebensproblem des Berges: die grundwasserlose Felskuppe. Sie bewiesen ihre europaweit bekannte ingenieurstechnische Meisterschaft im Wasserbau, indem sie eine gewaltige, ausgeklügelte Zisternenanlage errichteten. Sie leiteten das Regenwasser der großen Schieferdächer über steinerne Kanäle in zwei unterirdische Auffangbecken. Dort durchlief das Wasser eine natürliche physikalische Filterschicht aus Sand und Kies, bevor es als sauberes Trinkwasser in einen tiefen Brunnenschacht strömte.
Das Ende der Zisterzienser-Ära Diese zisterziensische Blütezeit dauerte fast 300 Jahre lang an und sicherte dem Kloster bis etwa 1500 eine Periode des Reichtums. Die mittelalterliche klösterliche Entwicklung des Disibodenbergs fand schließlich ihr finales Ende, als Plünderungen, kriegerische Auseinandersetzungen (wie der Bauern- und der Landshuter Erbfolgekrieg) und letztlich die Reformation dazu führten, dass der letzte Abt das Kloster im Jahr 1559 an den Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken abtreten musste, was die endgültige Säkularisierung und Schließung der Abtei besiegelte.