Regenwassersammlung

Die Regenwassersammlung bildete den ersten und entscheidenden Arbeitsschritt, damit die lebensrettende Zisternenanlage (Station 13a des Rundgangs) auf dem Disibodenberg überhaupt funktionieren konnte. Im größeren baulichen Kontext war sie die direkte architektonische Antwort auf das größte logistische Problem des Klosters.

Das existenzielle Problem der Wasserversorgung Da die sattelartige, felsige Hochebene des Berges über keinerlei natürlichen Anschluss an das Grundwasser verfügte, hing das physische Überleben der klösterlichen Lebensgemeinschaft dort zwingend von einer hochentwickelten Infrastruktur zur Sammlung und Filterung von Oberflächenwasser ab.

Die Methode der Regenwassersammlung Da man nicht an das Grundwasser gelangen konnte, verließen sich die Mönche vollständig auf den Niederschlag. Um eine ausreichende Menge an Wasser für die wachsende Gemeinschaft zu gewinnen, sammelten sie ganz gezielt das Traufwasser der klösterlichen Gebäudedächer. Die weitläufigen Dachflächen der großen Klostergebäude (wie dem Hospiz oder dem Abteigebäude) fungierten somit als primäre Auffangfläche für den Regen.

Ableitung in das Zisternensystem Die reine Sammlung des Regenwassers auf den Dächern erforderte eine ausgeklügelte Weiterleitung. Das abfließende Wasser wurde über mehrere Kanäle gezielt unter die Erde in zwei Auffangbecken geleitet, die direkt neben der eigentlichen Zisterne angelegt waren.

Genau in diesen Becken schloss sich dann der nächste Schritt der Zisternenanlage an: Das gesammelte Regenwasser durchlief hier das natürliche Filtersystem, bevor es als sauberes Trinkwasser durch kleine Öffnungen nach unten in den eigentlichen Brunnenschacht strömte. Die effiziente Regenwassersammlung war somit die absolute Grundvoraussetzung für den Betrieb der Zisterne und sicherte den Mönchen über Jahrhunderte hinweg das Überleben auf dem grundwasserlosen Berg.


↑ Zum Anfang