Das Abteigebäude und der dazugehörige Keller (Station 11 im Rundgang) sind herausragende bauliche Zeugnisse der gotischen Expansion auf dem Disibodenberg und veranschaulichen im größeren Kontext der architektonischen Merkmale den enormen Reichtum und den repräsentativen Anspruch der Zisterzienser-Ära.
Der Keller: Benediktinisches Fundament und zisterziensisches Wirtschaftszentrum Die Baugeschichte dieses Komplexes verdeutlicht den baulichen Übergang zwischen den Orden. Um das Jahr 1240 hatten die Benediktiner bereits mit dem Rohbau eines Kellers für ein neues Refektorium begonnen. Als die Zisterziensermönche das ruinöse Kloster im Jahr 1259 übernahmen, nutzten sie diesen unvollendeten Keller-Rohbau, vollendeten ihn jedoch gänzlich nach ihren eigenen architektonischen Vorstellungen. Aus diesen ausgedehnten Gewölben entstand der klösterliche Weinkeller. Hier lagerten die Mönche den erwirtschafteten Reichtum ihrer systematischen Agrarwirtschaft, darunter vorrangig Wein, Getreide und weitere Lebensmittel.
Das Abteigebäude: Monumentale Architektur und Wohnkomfort Direkt über diesem weitreichenden Kellergewölbe errichteten die Zisterzienser das eigentliche Abteigebäude. Im architektonischen Gesamtbild der Anlage sticht dieser Bau durch seine Monumentalität und seine äußerst komfortable Ausstattung hervor:
- Ausmaße und hohe Giebel: Das große Bauwerk war ursprünglich dreigeschossig konzipiert. Zusammen mit dem benachbarten Hospiz beeindruckt das Gebäude die heutigen Besucher noch immer mit seinen gewaltigen, hoch aufragenden Giebeln, die das Ruinenbild maßgeblich dominieren. - Der repräsentative Säulensaal: Das architektonische Herzstück des Baus befand sich im ersten Obergeschoss. Hier befand sich ein gewaltiger, zweischiffiger Saal, der von mächtigen Säulen getragen wurde. Dieser Raum fungierte als Residenz sowie als repräsentativer Empfangsraum des Abtes. - Kamine und reiche Verzierung: Um diesen großen Wohnraum zu beheizen, war das Abteigebäude mit großen Kaminen ausgestattet. Diese Heizungsanlagen und weitere bis heute erhaltene, verzierte Architekturfragmente – wie etwa eine noch sichtbare Kopfkonsole in einer Gebäudeecke – sind der steinerne Beweis für die überaus wohlhabende und anspruchsvolle Ausstattung der zisterziensischen Bauherren.
Im Gesamtkontext der architektonischen Merkmale des Klosters vereint das Abteigebäude mit seinem Keller die zwei zentralen Säulen der zisterziensischen Blütezeit: Im Untergrund spiegelt es die hocheffiziente agrarische und ökonomische Macht des Ordens wider, während die repräsentativen Säle, Kamine und Giebel in den oberen Geschossen den enormen Reichtum und die herrschaftliche Repräsentation dieser dritten Klosterära demonstrieren.