Der Inselrhein ist ein geografisch und ökologisch markanter Abschnitt des Rheins, der sich ab Mainz in einem gestreckten Lauf nach Westen zwischen dem Rheingau im Norden und Rheinhessen im Süden erstreckt. Er bildet das landschaftliche Gegenstück zur anschließenden engen Gebirgsstrecke und endet etwa auf Höhe der Rüdesheimer Aue, kurz bevor der Rhein am Binger Riff in das Rheinische Schiefergebirge einbricht.
Topographische Merkmale eines „seenartigen“ Flusses Die Geographie des Inselrheins zeichnet sich durch ein extrem geringes Gefälle von nur 0,1 Promille und eine außergewöhnliche Breite von bis zu 1000 Metern aus. Durch diese weite, flache Landschaft fließt das Wasser sehr langsam; die Fließgeschwindigkeit verdoppelt sich erst beim Eintritt in die Gebirgsstrecke am Binger Loch. Zahlreiche Stromspaltungen zerschneiden den Flusslauf und verleihen ihm an dieser Stelle einen ausgeprägt seenartigen Charakter.
Die Naturlandschaft der Rheinauen und ihr ökologischer Wandel Seinen Namen verdankt der Inselrhein den zahlreichen Flussinseln, die als „Rheinauen“ oder „Werthe“ bezeichnet werden. Ursprünglich war dies eine von 32 ökologisch enorm wertvollen Rheininseln geprägte Auenlandschaft. Der massive menschliche Eingriff in die Natur veränderte dieses Gebiet jedoch tiefgreifend. Durch die Sprengung des Binger Riffs (das zuvor wie ein natürliches Wehr gewirkt und das Wasser im Inselrhein aufgestaut hatte) sowie durch den Bau von Leitwerken ab dem 19. Jahrhundert zur Bündelung der Fahrrinne sank der Wasserspiegel im Inselrhein drastisch ab. Die ökologischen Folgen waren enorm: Zahlreiche Nebenarme verlandeten und trockneten aus. Von den ehemals 32 Inseln fielen die meisten trocken und verwuchsen mit dem Festland, drei wurden durch die veränderten Strömungsverhältnisse komplett weggespült. Heute existieren von diesen Naturräumen lediglich noch sechs Inseln. Auch heute noch sind bauliche Maßnahmen, etwa im Teilabschnitt 1 der modernen Abladeoptimierung, nötig, um lokale Untiefen im Bereich des Inselrheins zu beseitigen.
Bedeutung für das regionale Klima Trotz der Verlandung vieler Inseln blieben die Wasserflächen in den Nebenarmen und hinter den Regulierungswerken weitgehend erhalten. Geografisch und klimatisch ist dies von großer Bedeutung: Die weiten, flachen Wasserflächen haben einen sehr günstigen Einfluss auf das lokale Mikroklima, was unter anderem eine entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen Weinbau im angrenzenden Rheingau ist.