Abschnitt Budenheim bis St. Goar

Der 49 Kilometer lange Rheinabschnitt zwischen Budenheim (bei Mainz) und St. Goar bildet das exakte räumliche Projektgebiet für das Großprojekt „Abladeoptimierung Mittelrhein“. In der europäischen Schifffahrtslogistik stellt genau diese Strecke das entscheidende und teuerste Nadelöhr dar.

Das Problem der Tiefenengstelle Während der Rhein sowohl oberhalb als auch unterhalb dieses Bereichs eine garantierte Fahrrinnentiefe von 2,10 Metern aufweist, beträgt die offiziell freigegebene Tiefe im Abschnitt Budenheim bis St. Goar aktuell lediglich 1,90 Meter unter dem Gleichwertigen Wasserstand (GlW). Weil Frachtschiffe auf der durchgehenden Route zwischen den Nordseehäfen und dem europäischen Hinterland ihre maximale Beladung (die sogenannte Abladetiefe) für die gesamte Fahrt an dieser einen, flachsten Stelle ausrichten müssen, schränkt dieser Abschnitt die Transportkapazitäten an vielen Tagen im Jahr drastisch ein. Besonders bei Niedrigwasser führt dies zu enormen wirtschaftlichen Verlusten; so verursachte dieses Limit allein im Niedrigwasserjahr 2018 in Deutschland volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro. Historisch betrachtet resultiert dieses Manko daraus, dass beim großen Rheinausbau bis 1974 die angestrebte Vertiefung in der harten, felsigen Sohle hier nicht vollständig erreicht werden konnte.

Zielsetzung der Abladeoptimierung Das als vordringlich eingestufte Bundeswasserstraßenprojekt zielt darauf ab, die Schifffahrtsverhältnisse auf genau dieser 49-Kilometer-Strecke an die angrenzenden Abschnitte anzupassen, indem eine durchgehende Fahrrinnentiefe von 2,10 Metern bei Niedrigwasser (GlW 20) über die volle Breite von 120 Metern hergestellt wird. Zusätzlich soll in diesem Abschnitt die Abladetiefe bei den häufig auftretenden und wirtschaftlich extrem relevanten mittleren Wasserständen auf 3,40 Meter (GlW 183) verbessert werden.

Die drei Teilabschnitte Da die fehlende Fahrrinnentiefe nicht durchgängig auf der gesamten Länge, sondern durch lokale Untiefen verursacht wird, hat man den Abschnitt zwischen Budenheim und St. Goar planerisch in drei konkrete Teilbereiche untergliedert:

- Teilabschnitt 1 („Oestrich“ und „Kemptener Fahrwasser“): Rhein-km 508,0 bis 528,0, im Bereich des flachen Inselrheins. - Teilabschnitt 2 („Lorcher Werth“ und „Bacharacher Werth“): Rhein-km 528,0 bis 547,5. In dieses Gebiet fällt auch das historisch berüchtigte Binger Loch. - Teilabschnitt 3 („Jungferngrund“ und „Geisenrücken“): Rhein-km 547,5 bis 557,0, im felsigen und engen Bereich der Loreley.

Um die fehlende Tiefe auf diesem Abschnitt herzustellen, wird heute ein integrativer und naturverträglicher Ansatz verfolgt. Anstatt die Fahrrinne rücksichtslos tiefer in den Fels zu sprengen oder auszubaggern, setzt man heute primär auf wasserspiegelstützende Bauwerke wie Längswerke, Querwerke und Grundschwellen, um den Wasserstand lokal anzuheben und den direkten Eingriff in die Gewässersohle auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei werden naturschutzfachliche und wasserwirtschaftliche Belange gleichberechtigt einbezogen, um nicht nur der Schifffahrt zu dienen, sondern auch einen ökologischen Mehrwert für diese Flussstrecke zu schaffen.


↑ Zum Anfang