Hildegrad im Klosters Rupertsberg

Hildegard von Bingen, ihr wegbegleitendes Netzwerk, die diplomatische Korrespondenz und der theologische Widerstand


Die Gründung des Klosters Rupertsberg als Akt monastischer Autonomie

Die Errichtung des Klosters Rupertsberg im Jahr 1150 stellt einen fundamentalen Struktur- und Paradigmenwechsel in der benediktinischen Klosterlandschaft des 12. Jahrhunderts dar.[1, 2, 3] Zuvor verbrachte Hildegard von Bingen nahezu vier Jahrzehnte auf dem Disibodenberg.[4, 5, 6] Dort trat sie um 1112 als junge Oblatin unter der Führung der Magistra Jutta von Sponheim in die an das dortige Männerkloster angeschlossene Frauenklause ein und übernahm nach Juttas Tod im Jahr 1136 die Leitung des auf zehn Mitschwestern angewachsenen Konvents.[4, 6, 7] Das Bestreben, den Disibodenberg zu verlassen und eine eigenständige Abtei zu gründen, entsprang dem tiefen Bedürfnis nach institutioneller, wirtschaftlicher und seelsorgerischer Autonomie für ihre Gemeinschaft.[1, 8]

Dieser Schritt stieß auf erbitterten Widerstand des Disibodenberger Abtes Kuno und der dortigen Mönche, die den Verlust der beträchtlichen Mitgiften der adligen Nonnen sowie den Entzug des prestigeträchtigen Renommees der bereits weit überregional bekannten Visionärin fürchteten.[1, 3, 6] Erst eine schwere, lähmende Erkrankung Hildegards, die von ihr und ihren Mitschwestern als physisches Zeichen des göttlichen Zorns über das Zögern der männlichen Klosterleitung gedeutet wurde, erzwang schließlich die Freigabe der Gemeinschaft.[1, 3, 9]

Die Wahl des Rupertsberges – gelegen auf einem Hügel an der strategisch bedeutsamen Mündung der Nahe in den Rhein bei Bingen – war sowohl spirituell legitimiert als auch geopolitisch klug kalkuliert.[10, 11] Laut der hagiographischen Überlieferung wies der Heilige Geist Hildegard jene historische Stätte, an der sich einst das Grab des frühchristlichen Bekenners Rupertus und seiner Mutter Berta befand, auf der noch die Reste einer Taufkapelle und einer pfalzgräflichen Siedlung standen.[10, 11, 12]

Gleichzeitig bot der Standort erhebliche ökonomische Vorzüge.[11] Der fruchtbare Boden des Binger Landes und das hervorragende Weinbauklima sicherten die landwirtschaftliche Grundversorgung des neuen Konvents.[10, 11] Darüber hinaus lag der Rupertsberg an einer der wichtigsten mitteleuropäischen Handelsstraßen, direkt am Engpass des Binger Lochs.[11] Da Schiffe dort aufgrund der unwegsamen Rheinstrecke entladen und mühsam vom Treidelpfad aus gezogen werden mussten, profitierte das Kloster unmittelbar von Handelsströmen und Zöllen.[11]

Am 1. Mai 1152 weihte der Mainzer Erzbischof Heinrich I. die dreischiffige Klosterkirche.[10, 13] Die Basilika besaß eine Länge von 30 Metern, ein 7 Meter breites Hauptschiff sowie zwei Seitenschiffe von je 4,35 Metern Breite, deren Apsiden in zwei markanten Türmen integriert waren.[10, 14] Unterhalb des Altarraums lag die romanische Krypta, die als Grabstätte des heiligen Rupertus und schließlich auch für Hildegard selbst diente.[10, 12, 14]

Das Kloster entwickelte sich rasch zu einem geistigen und materiellen Zentrum, verlor jedoch nach dem Tode Hildegards im Jahr 1179 sukzessive seine Strahlkraft und litt im 15. Jahrhundert unter monastischem Niedergang.[13] Im April 1632 wurde die Anlage während des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Soldaten niedergebrannt und nie wieder aufgebaut.[10, 15] Die Ruine diente fortan als Steinbruch.[10] Im Jahr 1857 wurden die verbliebenen Reste des Chores, der Krypta und der Türme für den Bau der Nahetal-Eisenbahn endgültig weggesprengt.[10] Einzig fünf romanische Arkadenbögen im heutigen Würthschen Haus zeugen noch von der einstigen Pracht der Basilika.[10]

Das Rupertsberger Scriptorium und seine archivalischen Primärquellen

Das Kloster Rupertsberg etablierte unter Hildegards Leitung ein hocheffizientes, straff organisiertes Scriptorium, das für die schriftliche und bildliche Fixierung ihrer Werke verantwortlich war.[9, 16] Die quellenkritische Forschung stützt sich heute auf mehrere herausragende Codices und archivalische Bestände, die den historischen und theologischen Kern des Rupertsberger Erbes bilden.[16, 17]

Quelle / Codex Entstehungszeit Inhaltliche Zusammensetzung Überlieferungsgeschichte und heutiger Status
Rupertsberger Codex (Scivias-Prachthandschrift, Hs. 1) 12. Jahrhundert [16] Erste visionäre Schrift Scivias mit 35 prachtvollen Miniaturen [16, 17] Seit der Evakuierung im Zweiten Weltkrieg 1945 verschollen; Text- und Bildgestalt durch eine Fotografie von 1927 und ein Pergamentfaksimile der Abtei St. Hildegard (1927–1933) erhalten.[16]
Rupertsberger Riesenkodex (Hs. 2, Wiesbaden) Spätes 12. Jahrhundert (ca. 1180–1190) [17, 18] Komplette Visionstrilogie (Scivias, Liber vitae meritorum, Liber divinorum operum), Epistolarium (282 Briefe), Symphonia, Ordo virtutum, Lingua ignota, Vita.[17, 19] Weitgehend unbeschadet erhalten; als „Kodex mit der Kette“ gesichert.[17] 1948 aus sowjetischer Besatzungszone geschmuggelt; heute in der Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain.[17, 20]
Dendermonde-Codex (Codex 9, Villarenser Kodex) Um 1175 [21] Älteste autorisierte Musiksammlung (Symphonia und Lieder).[21] Zu Lebzeiten auf dem Rupertsberg geschrieben; aufbewahrt in der Abtei St. Peter in Dendermonde.[21]
Zwiefaltener Briefcodex(Stuttgart, Cod. theol. et phil. 4° 253) 12. Jahrhundert [22] Älteste überlieferte Teilsammlung hildegardischer Briefe.[22, 23] Verwahrt in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart.[22]
Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 164 13. bis 15. Jahrhundert [7, 24] Gesamter archivalischer Urkundenbestand des Klosters Rupertsberg.[24] Enthält unter anderem das Kanonisationsprotokoll (1233/1243), die päpstliche Indulgenz (1342) und das Mirakelbuch (1465–1469).[7, 24]

Die Authentizität der auf dem Rupertsberg entstandenen Handschriften ließ sich durch quellenkritische Schriftvergleiche exakt verifizieren.[15, 16] Der Hauptschreiber des verlorengegangenen Rupertsberger Scivias-Codex (Hs. 1), in der Forschung als „Hand 1“ bezeichnet, konnte eindeutig als „Hand A“ der ältesten Rupertsberger Güteraufzeichnungen sowie des ältesten Totenbuches des Klosters identifiziert werden.[15, 16] Dies widerlegte ältere historiographische Thesen, wonach die kunsthistorisch bedeutenden Miniaturen nicht auf dem Rupertsberg, sondern in externen Werkstätten angefertigt worden seien.[15]

Besonders dramatisch gestaltete sich das Schicksal der Prachthandschriften bei kriegerischen Konflikten.[15] Bereits im Jahr 1301 flüchteten die Nonnen vor herannahenden Truppen des Königs Albrecht I. hastig über den Rhein nach Eibingen und retteten dabei wichtige Urkunden und Kleinodien.[15] Im Dreißigjährigen Krieg wiederum rettete Äbtissin Anna Lerchin von Dürmsheim Teile des Archivs und den Riesenkodex nach Köln, während das Kloster Eibingen geplündert wurde.[15]

Neben den theologischen Schriften zeugen die Bestände des Landeshauptarchivs Koblenz (Bestand 164) von der jahrhundertelangen Wirksamkeit des Klosters.[24] Eine päpstliche Ablassurkunde vom 14. Juni 1342 zeigt eine der ältesten figürlichen Darstellungen Hildegards.[25] Ein reich dokumentiertes Mirakelheft aus den Jahren 1465 bis 1469 belegt zudem 30 an ihrem Grab vollzogene Wunder.[24]

Zu den bedeutendsten Legenden des Bestandes gehört das von Johannes Trithemius von Sponheim im Jahr 1495 aufgezeichnete „Marienwunder vom Rupertsberg“.[24] Demnach stach im Jahr 1301 ein plündernder Soldat der Truppen Albrechts I. in ein Marienbild, woraufhin augenblicklich Milch und Blut aus der Leinwand rannen.[24] Der von Reue gepackte Frevler ertränkte sich daraufhin in der Nahe.[24] Die Reliquie dieses Wunders wurde über Jahrhunderte im Eibinger Reliquienschatz bewahrt und befindet sich seit 1814 im Rupertusschrein der Binger Rochuskapelle.[24]

Das wegbegleitende Netzwerk: Intellektuelle Kooperation und emotionale Spannungen

Das visionäre und literarische Werk Hildegards von Bingen war kein Solitär, sondern das Produkt eines hochgradig kollaborativen Netzwerks.[1, 9] Diese Gemeinschaft bestand aus intellektuellen Wegbegleitern, die als Redaktoren, Schreiber, Vertraute und administrative Stützen agierten.[1, 26]

Wegbegleiter Status im Netzwerk Phase der engsten Kooperation Historischer und literarischer Beitrag
Jutta von Sponheim Magistra und asketische Lehrmeisterin [4, 27] Ca. 1106–1136 [7, 23] Vermittelte Hildegard die Grundlagen der benediktinischen Liturgie, die Psalmen und die monastische Erziehung.[4, 26]
Volmar von Disibodenberg Hauptschreiber, Beichtvater und Rupertsberger Propst [1, 26, 28] Ca. 1136–1173 [23, 26] Engster redaktioneller Berater; übertrug ihre Visionen in fehlerfreies Latein und lehrte sie vermutlich die Musiknotation.[26, 29]
Richardis von Stade Adlige Nonne und engste Vertraute [30, 31] Bis 1151/1152 [1, 9, 29] Assistierte intensiv bei der Abschrift und Illumination des Scivias; Symbolfigur für den Konflikt zwischen persönlicher Liebe und Sippenpolitik.[1, 9, 31]
Ludwig von St. Eucharius Benediktinerabt aus Trier [32] Nach 1173 [32] Unterstützte Hildegard nach Volmars Tod geistlich und redaktionell bei der Fortführung des Liber divinorum operum.[32]
Propst Gottfried Rupertsberger Propst und Sekretär [23] 1174–1175/76 [23] Begann unter Hildegards direkter Aufsicht mit der Abfassung der offiziellen Vita sanctae Hildegardis.[23]
Guibert von Gembloux Flandrischer Mönch, Gelehrter und letzter Sekretär [15, 17, 23] 1177–1179 [15, 23] Überarbeitete, glättete und redigierte systematisch ihre Briefbücher; maßgeblich verantwortlich für das posthume Bild der Prophetin.[15, 22, 23]

Volmar von Disibodenberg war über Jahrzehnte Hildegards wichtigster intellektueller Partner.[1, 26] Er begleitete sie vom Disibodenberg auf den Rupertsberg, wo er als Klosterpropst die männliche Sakramentsverwaltung übernahm.[1, 28, 33] Volmar korrigierte ihre Schriften grammatikalisch, ohne jedoch den visionären Gehalt zu verändern.[15, 29] Hildegards tiefe Erschütterung über seinen Tod im Jahr 1173 spiegelt sich in ihren Schriften wider, in denen sie ihn als den unersetzlichen, gottgesandten Helfer ihrer Visionen rühmt.[32] Nach Volmars Ableben verzögerte das Kloster Disibodenberg aus machtpolitischen Gründen die Entsendung eines Nachfolgers, was Hildegard zwang, temporär auf die Hilfe des Trierer Abtes Ludwig von St. Eucharius zurückzugreifen, der mit ihren Visionen vertraut war.[23, 32]

Die emotional intensivste Beziehung verband Hildegard mit der adligen Nonne Richardis von Stade, die aus der hochadligen Familie der sächsischen Nordmark-Grafen stammte.[9, 30] Richardis unterstützte Hildegard maßgeblich bei der Niederschrift des Scivias und inspirierte den Konvent durch ihre Jugend und Bildung.[1, 9, 31] Als Richardis’ Familie im Jahr 1151 aus dynastischem Kalkül ihre Wahl zur Äbtissin des Klosters Bassum forcierte, brach ein schwerer Konflikt aus.[1, 9]

Hildegard weigerte sich vehement, Richardis gehen zu lassen, und sandte verzweifelte Protestbriefe an Richardis' Bruder, Erzbischof Hartwig von Bremen, sowie an Papst Eugen III., in denen sie den Wechsel als Verrat am göttlichen Willen darstellte.[29, 30, 34] Ihre Korrespondenz offenbart eine tiefe emotionale Verwundbarkeit; Hildegard gestand ein, Richardis mit einer Liebe geliebt zu haben, die die monastische Distanz überschritt.[31, 34] Nach dem endgültigen Wegzug der Richardis verstarb diese am 29. Oktober 1152 in Bassum, angeblich unter Tränen und gequält von der Sehnsucht, nach Bingen zurückzukehren.[9, 23]

In ihren letzten Lebensjahren vertraute Hildegard ihre literarische Redaktion Guibert von Gembloux an.[15, 23] Der hochgebildete flandrische Mönch kam 1177 auf den Rupertsberg.[23] Er ordnete und glättete ihre umfangreichen Briefbücher (Liber epistolarum) nach den Regeln der zeitgenössischen Rhetorik und stilisierte sie systematisch zu einem literarischen Denkmal für die Nachwelt, was bei der quellenkritischen Auswertung heutiger Editionen stets berücksichtigt werden muss.[22, 23]

Die diplomatische Korrespondenz: Prophetisches Mandat und kirchenpolitische Konfrontation

Vom Rupertsberg aus unterhielt Hildegard einen regen, völkerrechtlich und kirchenpolitisch folgenschweren Briefwechsel mit den mächtigsten Persönlichkeiten des christlichen Abendlandes.[22, 35] Ihr Epistolarium umfasst rund 390 erhaltene Briefe, die im Scriptorium nicht als reine Verwaltungsdokumente, sondern als theologische Traktate redigiert wurden.[22, 35, 36]

Korrespondent Status des Empfängers Inhaltliche Schwerpunkte Quellenkritischer Kontext
Bernhard von Clairvaux Zisterzienserabt und Kirchenreformator [37, 38] Bitte um Bestätigung ihrer Sehergabe und theologische Legitimation (1146/47).[3, 35] Korrespondenz wurde im Nachhinein sowohl in Clairvaux als auch auf dem Rupertsberg redigiert, um Bezüge zum gescheiterten Zweiten Kreuzzug (1149) zu tilgen.[37]
Papst Eugen III. Bischof von Rom [20, 22] Anerkennung ihrer Visionen und Mahnung zur klösterlichen Demut.[7, 39, 40] Ein enthusiastischer Glückwunschbrief des Papstes wird von der modernen Forschung als spätere Fälschung eingestuft.[29]
Kaiser Friedrich I. Barbarossa Römisch-deutscher Kaiser [1, 35] Mahnung zur gerechten Herrschaft; scharfe Kritik an seiner Kirchenspaltung (Schisma).[29, 41] Briefe im Riesenkodex enthalten keine konkreten gegenseitigen Bezüge; sie dienen primär der Stilisierung des prophetischen Herrscheranspruchs.[29]
König Konrad III. Römisch-deutscher König [22, 29] Bitte des Königs um Fürbitte für sich und seinen Sohn Heinrich.[29] Dokumentiert Hildegards hohes Ansehen bei der staufischen Krone noch vor dem Rupertsberger Umzug.[29]
Papst Anastasius IV. Bischof von Rom (1153–1154) [22, 42] Scharfer Reformappell gegen die Trägheit und weltliche Nachgiebigkeit des Papsttums.[42] Hildegard tritt als kompromisslose Kritikerin einer schwachen Kirchenführung auf.[42]
Magister Odo von Paris Pariser Theologe und Gelehrter [29] Anfrage zu hochtheologischen Trinitätsfragen.[29] Belegt Hildegards Anerkennung als theologische Schriftexpertin durch universitäre Eliten.[29]

In ihrer Korrespondenz mit Bernhard von Clairvaux suchte Hildegard 1146/47 gezielt eine theologische Absicherung gegen Häresievorwürfe.[3, 35] Bernhard antwortete ausweichend, bestätigte jedoch die in ihr wirkende göttliche Gnade.[35, 38] Die quellenkritische Forschung deckte auf, dass dieser berühmte Briefwechsel nachträglich geschönt wurde.[37] Nach dem verheerenden Scheitern des Zweiten Kreuzzugs im Jahr 1149 wurden alle prophetischen Passagen, die zur Kreuzwerbung aufgerufen hatten, systematisch aus den Briefregistern getilgt, um die theologische Unfehlbarkeit der Protagonisten nicht zu gefährden.[37]

Das Verhältnis zu Kaiser Friedrich I. Barbarossa war von einer tiefen Ambivalenz geprägt.[1, 29] Einerseits schützte der Kaiser das junge Kloster Rupertsberg 1163 durch eine kaiserliche Schutzurkunde und bewahrte es vor territorialen Übergriffen.[8, 29] Andererseits zögerte Hildegard nicht, Barbarossa für seine Unterstützung von Gegenpäpsten und die damit verbundene Spaltung der Kirche scharf zu verurteilen.[23, 29, 41] In apokalyptischen Bildern drohte sie dem Kaiser mit dem göttlichen Schwert, sollte er seine hochmütige Herrschaft nicht demütig unterwerfen.[29]

Auch die Päpste Hadrian IV. und Alexander III. sowie weltliche Herrscher wie Heinrich II. von England und Eleonore von Aquitanien suchten den Rat der „Sibylle vom Rhein“.[22, 43] Ihre Briefe verfasste Hildegard stets im Gestus der göttlichen Stimme („Das lebendige Licht spricht...“), was ihr eine unangreifbare geistliche Autorität verlieh, die über den hierarchischen Strukturen der Amtskirche stand.[20, 29, 34]

Die Predigtreisen: Homiletische Grenzüberschreitung und Klerikerkritik

Zwischen 1158 und 1171 unternahm Hildegard von Bingen vier ausgedehnte Predigtreisen.[7, 44, 45] Dieses öffentliche Auftreten einer Frau vor Klerikern, Mönchen und Laien war für das 12. Jahrhundert ein beispielloser Bruch mit den kirchenrechtlichen Normen, die Frauen jegliche homiletische Betätigung streng untersagten.[44, 45]

Predigtreise Zeitraum Geographische Stationen Primäre Zielsetzung und Adressaten
Erste Reise Ca. 1158–1159 [44] Mainz, Würzburg, Bamberg, Kloster Ebrach.[7, 45] Reformansprachen in bedeutenden Männerklöstern und Domkapiteln.[7, 45]
Zweite Reise Ca. 1160 [44, 45] Trier, Metz.[7, 45] Öffentliche Bußpredigten vor Klerikern und der städtischen Bevölkerung.[7, 45]
Dritte Reise Ca. 1161–1163 [44] Boppard, Andernach, Siegburg, Köln, Werden.[2] Bekämpfung der katarischen Häresie im Rheingebiet; scharfe Klerikerschelte in Köln.[2, 3, 46]
Vierte Reise Ca. 1170–1171 [44] Rothenburg ob der Tauber, Zwiefalten.[44] Konsolidierung schwäbischer Frauenklöster; abschließende Reformaufrufe vor monastischen Eliten.[22, 44]

Die moderne quellenkritische Forschung betont, dass die konkreten Reiserouten, wie sie in populären Biographien dargestellt werden, teilweise ein historiographisches Konstrukt des frühen 20. Jahrhunderts sind.[46] Dennoch belegen die im Riesenkodex überlieferten Briefe und zeitgenössische Zeugnisse zweifelsfrei, dass Hildegard tatsächlich in den großen Kathedralen von Köln, Trier und Metz predigte.[2, 45, 46]

Ihre Predigten waren keine Bestandteile der eucharistischen Liturgie, sondern eigenständige geistliche Ansprachen außerhalb der Messe.[46] Inhaltlich zeichneten sich ihre Reden durch eine kompromisslose „Klerikerschelte“ aus.[3, 46] Sie warf den Priestern vor, eine „Nacht, die Finsternis aushaucht“ zu sein, und klagte sie wegen Simonie, Trunksucht, Geiz und der Vernachlässigung der Seelsorge an.[3, 28] In Köln rief sie die Herrscher und das Volk dazu auf, die häretischen Katharer physisch zu vertreiben und zu enteignen, um den Leib der Kirche vor dem moralischen Verfall zu retten.[2, 3, 40]

Das Interdikt von 1178: Theologischer Widerstand und die kosmologische Bedeutung der Musik

Das letzte Lebensjahr der inzwischen 80-jährigen Äbtissin war überschattet von einem dramatischen Konflikt mit der Mainzer Bistumsleitung, der ihr und ihrer Gemeinschaft die schwerste existenzielle Prüfung auferlegte.[47, 48]

Der kirchenrechtliche Konflikt um die Exhumierung

Im Jahr 1178 gestattete Hildegard die Beisetzung eines namentlich nicht überlieferten adligen Ritters auf dem geweihten Friedhof des Klosters Rupertsberg.[12, 48] Das Mainzer Domkapitel, das in Vertretung des in Italien weilenden Erzbischofs Christian I. die Diözese verwaltete, deklarierte den Verstorbenen als unbußfertigen Exkommunizierten und forderte die sofortige Exhumierung und Entfernung des Leichnams aus der geweihten Erde.[6]

Hildegard verweigerte diesen Befehl kategorisch.[44] Sie legte dar, dass der schwerkranke Ritter vor seinem Ableben die Sakramente der Beichte, der Letzten Ölung und der Kommunion von einem rechtmäßigen Priester empfangen hatte und somit im Schoß der Kirche entschlafen war.[44, 48] Eine Exhumierung bewertete sie als schweren Frevel an einem Versöhnten.[6, 48] Um das Grab vor dem physischen Zugriff bischöflicher Schergen zu schützen, ebnete sie eigenhändig die Grabkrone ein und tilgte jegliche Spuren der Ruhestätte auf dem Friedhof.[12, 41]

Die Sanktionen des Mainzer Domkapitels

Als Reaktion auf Hildegards unnachgiebigen Widerstand verhängten die Mainzer Prälaten das Interdikt über das Kloster Rupertsberg.[23, 47, 48] Diese drakonische Kirchenstrafe lähmte das monastische Leben der Abtei vollständig.[41, 43, 47] Den Nonnen wurde der Empfang der Sakramente, insbesondere der Eucharistie, untersagt.[6, 48]

Zudem wurde ein striktes Gesangs- und Glockenverbot verhängt.[41, 43] Das feierliche Singen des Chorgebets, das Herzstück des benediktinischen Alltags, war verboten.[43, 44] Das Stundengebet durfte nur noch bei geschlossenen Türen, im Halbdunkel und in flüsternden, dumpfen Tönen rezitiert werden.[43, 44] Auch das Läuten der Glocken zur Strukturierung des Tagesablaufs wurde unterbunden.[41]

Das Schreiben Ad praelatos Moguntinenses (Brief 23)

Hildegard reagierte auf diese Sanktionen mit einem monumentalen Lehrschreiben an die Mainzer Prälaten, das im Riesenkodex als Brief 23 (in anderen Sammlungen als Epistola 47) überliefert ist.[19, 43, 49] Dieser Text stellt ein Meisterwerk der mittelalterlichen Musikästhetik dar.[50] Hildegard argumentiert, dass das feierliche Singen des Chorgebets kein ästhetischer Luxus, sondern ein unersetzliches Instrument der Heilsordnung und der klösterlichen Formung ist.[49, 50, 51]

Vor dem Sündenfall stimmte der Urmensch Adam im Paradies rein und engelsgleich in den himmlischen Lobpreis ein.[43, 50] Durch die Verführung des Teufels ging diese ursprüngliche Harmonie verloren, und die menschliche Seele versank in der Finsternis der inneren Ignoranz.[21, 43] Gott schenkte dem Menschen jedoch den Gesang und das Spiel der Instrumente als Brücke zur Ewigkeit zurück, damit sich die Seele an ihren himmlischen Ursprung erinnere.[43, 50] Hildegard prägte hierbei das folgenschwere Axiom: „symphonialis est anima“ – die Seele ist symphonisch.[21]

Der gottesdienstliche Gesang hilft der Seele, die durch die Sünde verursachte innere Zerrissenheit zu überwinden und in die göttliche Harmonie zurückzufinden.[21, 50] Ein Verbot des Gesangs beraubt Gott seines rechtmäßigen Lobpreises auf Erden.[43] Hildegard warnte die Prälaten mit prophetischer Härte: Wer eine Gemeinschaft ungerechtfertigt des Gesangs beraubt, wird im Jenseits selbst vom Lobgesang der Engel ausgeschlossen werden.[43, 50] Sie entlarvte das Interdikt als Werk des Teufels, der das Singen des Gotteslobes hasse, weil es seine eigenen listigen Pläne durchkreuzt.[43]

Interdict

Hildegards kompromissloser Widerstand zwang die Mainzer Bistumsleitung schließlich zum Nachgeben.[6, 48] Nach zähen Verhandlungen und der Rückkehr des Erzbischofs Christian I. aus Italien wurde das Interdikt im März oder April 1179 offiziell aufgehoben.[6, 7, 23] Die Glocken und der feierliche Gesang kehrten auf den Rupertsberg zurück.[41, 44] Ihre physischen Kräfte waren jedoch erschöpft.[2] Am 17. September 1179 verstarb Hildegard von Bingen im Alter von 81 Jahren auf dem Rupertsberg.[2, 7, 23]

Fazit und das kirchenrechtliche Nachleben

Das Kloster Rupertsberg war die wichtigste Wirkungsstätte Hildegards von Bingen.[52, 53] Hier entstanden ihre Hauptwerke, ihre rege Korrespondenz und ihre kühnen musikalischen Kompositionen.[19, 21, 52] Ihr wegbegleitendes Netzwerk sicherte und redigierte dieses monumentale Erbe.[1, 9, 23] Trotz ihrer immensen Wirkung verlief ihr Heiligsprechungsverfahren im Mittelalter ergebnislos.[7, 29]

Erste Supplik (1227): Äbtissin und Konvent des Rupertsberges baten Papst Gregor IX. um die Kanonisation ihrer Gründerin.[7]Kanonisationsprotokoll (1233): Ein im Dezember 1233 auf dem Rupertsberg versiegelter Zeugenbericht wurde nach Rom gebracht, jedoch 1237 wegen formaler Mängel (fehlende Namen, Daten und präzise Ortsangaben der Wunder) zurückgewiesen.[7]Revision (1243): Papst Innozenz IV. ließ das Protokoll überarbeiten; das Verfahren verlief danach jedoch im Sande.[7]Equivalent Canonization (2012): Erst am 10. Mai 2012 schloss Papst Benedict XVI. das Verfahren durch die feierliche Dehnungsheiligsprechung für die Universalkirche ab und erhob sie am 7. Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin – eine späte, aber umfassende Anerkennung ihres theologischen und kosmologischen Genies.[23, 33, 54]


Quellen:

[1] Hildegard von Bingen - Women and Mountains,
http://womenandmountains.blogspot.com/2021/06/hildegard-von-bingen.html

[2] Apostolic Letter proclaiming Hildegard of Bingen as a Doctor of the Church (October 7, 2012) - The Holy See,
https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/en/apost_letters/documents/hf_ben-xvi_apl_20121007_ildegarda-bingen.html

[3] Hildegard von Bingen – Leben und Wirken - TU Dresden,
https://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ig/mg/externe_lehrende/weiterelehrende_drossbach/weiterelehrende_drossnach_materialordner_ws200809/FrauenGeistlicheTPHvBingen.pdf

[4] Tag: Richardis von Stade - The Freelance History Writer,
https://thefreelancehistorywriter.com/tag/richardis-von-stade/

[5] Hildegard Way Map — Hildegardweg, Germany,
https://www.sainthildegardway.eu/hildegard-map/

[6] Hildegard von Bingen und die Mächtigen,
https://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A93850/attachment/ATT-0/

[7] Zeittafel zur Lebensgeschichte und zur Geschichte des Heiligsprechungsverfahrens,
https://abtei-st-hildegard.de/zeittafel-zur-lebensgeschichte-und-zur-geschichte-des-heiligsprechungsverfahrens/

[8] Kloster Rupertsberg | Vivat! Magazin,
https://www.vivat.de/magazin/lebensart/reisen/kloester-entdecken/kloster-rupertsberg/

[9] Richardis von Stade - Grokipedia,
https://grokipedia.com/page/richardis_von_stade

[10] Der Rupertsberg - rupertsberger-hildegardgesellschaft.de/,
https://rupertsberger-hildegardgesellschaft.de/der-rupertsberg/

[11] Warum Hildegard den Rupertsberg für ihr Kloster wählte - Stadtverwaltung Bingen, https://www.bingen.de/kultur/stadtarchiv/virtuelles-binger-archiv/archivdingstag/warum-hildegard-den-rupertsberg-fuer-ihr-kloster-waehlte

[12] Die Grabstätte der heiligen Hildegard auf dem Rupertsberg,
https://www.bingen.de/media/92678896-f97c-4d64-8776-e75dfcb55e10/agfrLw/.Neue%20Webseite%202020/4_Leben/5_Wohnen%20und%20Bauen%20in%20Bingen/2_St

[13] Recherche: Geschichte des Klosters - Lajos Herpay,
https://www.herpay.de/Projekte/Kloster/Geschichte.html

[14] Der Rupertsberg,
https://rupertsberger-hildegardgesellschaft.de/der-rupertsberg/?pdf=563

[15] Hildegard von Bingen - MGH-Bibliothek,
https://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/b/b038372.pdf

[16] Rupertsberger Codex - Wikipedia,
https://de.wikipedia.org/wiki/Rupertsberger_Codex

[17] Rupertsberger Riesenkodex - Wikipedia,
https://de.wikipedia.org/wiki/Rupertsberger_Riesenkodex

[18] Wiesbaden Codex by Hildegard of Bingen « Facsimile edition,
https://www.facsimilefinder.com/facsimiles/wiesbaden-codex-hildegard-bingen-facsimile

[19] Hildegard of Bingen's Unknown Language and Unknown Letters,
https://www.worldhistory.org/article/2738/hildegard-of-bingens-unknown-language-and-unknown/

[20] Hildegard-Musik – BENEDIKTINERINNENABTEI ST. HILDEGARD,
https://abtei-st-hildegard.de/549/

[21] Briefe Hildegards von Bingen - Wikipedia,
https://de.wikipedia.org/wiki/Briefe_Hildegards_von_Bingen

[22] Hildegard von Bingen 1098 Hildegard wird als zehntes Kind adeliger Eltern (Mechthild und Hildebert) in Bermersheim (?) bei Alzey - Verlagsgruppe Patmos,
https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/media/medien/pdf/aktuell/978-3-8436-1401-6_Zeittafel.pdf

[23] Das Marienwunder vom Rupertsberg - Stadtverwaltung Bingen,
https://www.bingen.de/kultur/stadtarchiv/archivalien-erzaehlen-geschichten/marienwunder-vom-rupertsberg

[24] File:Hildegard ablassurkunde rupertsberg.jpg - Wikimedia Commons,
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hildegard_ablassurkunde_rupertsberg.jpg

[25] Hallucinating Melismas with Hildegard of Bingen - Chasing the Chords,
https://brianjump.net/2015/09/17/hallucinating-melismas-with-hildegard-of-bingen/

[26] Volmer – The Freelance History Writer,
https://thefreelancehistorywriter.com/tag/volmer/

[27] Hildegard von Bingen | Ars Novita - WordPress.com,
https://arsnovita.wordpress.com/medieval/hildegard-von-bingen/

[28] Hildegard von Bingen - Ingelheimer Geschichte, https://www.ingelheimer-geschichte.de/index.php?id=129

[29] Hildegard of Bingen and Richardis: Medieval mystic and woman she loved - Qspirit.net,
https://qspirit.net/hildegard-bingen-richardis/

[30] Letter to Hartwig, Archbishop of Bremen and brother of Richardis (October 1152),
https://medievalhollywood.ace.fordham.edu/items/show/108

[31] Volmar (monk) - Wikipedia,
https://en.wikipedia.org/wiki/Volmar_(monk))

[32] Hildegard of Bingen | Music 101 - Lumen Learning,
https://courses.lumenlearning.com/suny-musicapp-medieval-modern/chapter/hildegard-of-bingen/

[33] Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen,
https://hildegard.center/hildegard-von-bingen-ihr-leben/

[34] EPISTOLAE – Hildegard von Bingen & ihre Brieffreundschaften,
https://www.hildegard-akademie.de/de/die-akademie/chronik/2023/146-epistolae-hildegard-von-bingen-ihre-brieffreundschaften.html

[35] Hildegard of Bingen - Epistolae - Columbia University,
https://epistolae.ctl.columbia.edu/woman/115.html

[36] Hildegard von Bingen und Bernhard von Clairvaux - YouTube,
https://www.youtube.com/watch?v=8Sgc-wk1ujI

[37] A letter from Bernard of Clairvaux, abbot (1146-47) - Epistolae - Columbia University,
https://epistolae.ctl.columbia.edu/letter/1189.html

[38] Hildegard von Bingen - Wikipedia,
https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_von_Bingen

[39] Der Kampf um kirchliche Anerkennung - Deutschlandfunk,
https://www.deutschlandfunk.de/der-kampf-um-kirchliche-anerkennung-100.html

[40] Zum Namenstag von Hildegard von Bingen - Samerberger Nachrichten,
https://samerbergernachrichten.de/zum-namenstag-von-hildegard-von-bingen/

[41] St Hildegard of Bingen - IDLE SPECULATIONS,
http://idlespeculations-terryprest.blogspot.com/2014/07/st-hildegard-of-bingen.html

[42] Hildegard's Defense of Sacred Music | PDF | Adam | Soul - Scribd,
https://www.scribd.com/document/406039766/Wk1-2-Hildegard-Epistle-47-To-the-Prelates-of-Mainz

[43] Selected-Writings-Hildegard-of-Bingen-Mark-Atherton.pdf - Westminster Abbey,
https://westminsterabbey.ca/wp-content/uploads/2018/07/Selected-Writings-Hildegard-of-Bingen-Mark-Atherton.pdf

[44] Hildegard von Bingen · Zur Person,
https://hildegard2029.de/hildegard-von-bingen-%C2%B7-zur-person/

[45] Predigte Hildegard von Bingen – als Frau im Mittelalter? - Katholisch.de,
https://katholisch.de/artikel/58810-predigte-hildegard-von-bingen-als-frau-im-mittelalter

[46] Leben aus der Liturgie - Abtei St. Hildegard,
https://abtei-st-hildegard.de/abtei-st-hildegard-gott/

[47] Das Interdikt – Hildegard von Bingen,
https://hildegard.center/das-interdikt-hildegard-von-bingen/

[48] Pandemic Lesson from Hildegard - Sing! The Center For Congregational Song,
https://congregationalsong.org/pandemic-lesson-from-hildegard/

[49] That They Might Sing the Song of the Lamb: The Spiritual Value of Singing the Liturgy for Hildegard of Bingen - Academia.edu,
https://www.academia.edu/34718996/That_They_Might_Sing_the_Song_of_the_Lamb_The_Spiritual_Value_of_Singing_the_Liturgy_for_Hildegard_of_Bingen

[50] THE SPIRITUAL VALUE OF SINGING THE LITURGY FOR HILDEGARD OF BINGEN. A Thesis Submit - Trent University,
https://batadora.trentu.ca/_flysystem/fedora/2022-04/That_They_Might_Sing_the_Song_of_the_Lamb_The_Spiritual_Value_of_Singing_the_Liturgy_for_Hildegard_of_Bingen.pdf

[51] Paths to the origins: On the trail of Hildegard von Bingen - Discover Germany,
https://entdecke-deutschland.de/en/bundeslaender/rheinland-pfalz/ways-to-the-origins-on-the-tracks-of-hildegard-von-bingen/

[52] Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg – Strecke & Etappen | Hunsrück-Nahe,
https://www.hunsruecknahe.de/pilgerwanderweg-gesamtstrecke

[53] Hildegard of Bingen - Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/Hildegard_of_Bingen


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