Zeche Hanover
Die Zeche Hannover wirkt auf den ersten Blick eher wie eine Festung als wie ein Bergwerk. Der wuchtige Malakowturm aus hellem Mauerwerk erhebt sich über Bochum-Hordel wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – ein Bauwerk, das mehr an eine mittelalterliche Burg erinnert als an die industrielle Welt des Ruhrgebiets. Doch genau darin liegt ihr besonderer Reiz: Die Zeche Hannover erzählt die Geschichte einer Epoche, in der Technik, Kapital und menschliche Arbeitskraft das Gesicht einer ganzen Landschaft veränderten. (nrw-tourismus.de)
Gegründet wurde die Zeche Mitte des 19. Jahrhunderts auf freiem Ackerland. Ihren Namen verdankte sie nicht dem Standort, sondern den Geldgebern aus dem damaligen Königreich Hannover. Als Alfred Krupp die Anlage 1872 übernahm, begann ihr Aufstieg zur Großzeche. Neue Schächte, Kokereien, Kraftwerke und weitläufige Arbeitersiedlungen entstanden. Aus bäuerlicher Landschaft wurde Industrieland, aus Dörfern wurden Bergarbeitersiedlungen. Menschen aus Westfalen, dem Rheinland, Ostpreußen, Schlesien und Masuren fanden hier Arbeit und eine neue Heimat. (zeche-hannover.lwl.org)
Besonders bemerkenswert ist, dass die Zeche Hannover nicht nur Kohle förderte, sondern auch Technikgeschichte schrieb. Hier entwickelte Bergwerksdirektor Friedrich Koepe 1877 ein neuartiges Fördersystem mit einer Treibscheibe anstelle der herkömmlichen Seiltrommel. Was zunächst wie eine technische Einzelheit erscheint, revolutionierte den Tiefbergbau weltweit. Das sogenannte Koepe-System wird in abgewandelter Form bis heute eingesetzt. Die Zeche wurde damit zu einem Entwicklungszentrum moderner Fördertechnik. (zeche-hannover.lwl.org)
Während viele andere Bergwerke im Ruhrgebiet bereits an Bedeutung verloren, behauptete sich Hannover erstaunlich lange. Noch in den 1960er Jahren konzentrierte man hier die Förderung mehrerer Krupp-Zechen. Doch auch die leistungsfähigste Technik konnte den Strukturwandel nicht aufhalten. Die Bergbaukrise erreichte schließlich das gesamte Revier. 1973 schloss die Zeche Hannover als letztes förderndes Bergwerk Bochums ihre Tore – ein symbolträchtiges Ende einer Ära. (Wikipedia)
Nach der Stilllegung drohte der vollständige Abriss. Viele Gebäude verschwanden tatsächlich. Erhalten blieben nur wenige Bauwerke: der Malakowturm, die Maschinenhalle und das Lüftergebäude. Dass diese Zeugnisse heute noch stehen, verdankt sich nicht zuletzt der außergewöhnlichen Dampffördermaschine von 1893, deren technischer und historischer Wert einen vollständigen Verlust verhinderte. (Wikipedia)
Heute wird auf der Zeche Hannover keine Kohle mehr gefördert, sondern Erinnerung. Als Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vermittelt die Anlage einen Eindruck davon, wie eng Arbeit, Technik und Alltag im Ruhrgebiet einst miteinander verflochten waren. Wenn sich bei Vorführungen die große Treibscheibe langsam in Bewegung setzt, scheint für einen Moment jene Zeit wieder aufzuleben, in der das Schicksal ganzer Städte vom Rhythmus der Fördermaschinen bestimmt wurde. (zeche-hannover.lwl.org)