Bergmannskotten im Ruhrgebiet

Prozess

Wer heute an das Ruhrgebiet denkt, hat meist Fördertürme, Kokereien und große Zechensiedlungen vor Augen. Doch lange bevor die industrielle Montanlandschaft entstand, lebten viele Bergleute in einfachen sogenannten Bergmannskotten. Diese kleinen Häuser gehörten zur frühen Phase des Ruhrbergbaus und prägten besonders das südliche Ruhrgebiet entlang der Ruhr und ihrer Nebentäler.

Prozess

Die Bergleute des 18. und frühen 19. Jahrhunderts waren häufig nicht ausschließlich Bergarbeiter. Viele betrieben neben ihrer Arbeit im Stollenbergbau eine kleine Landwirtschaft. Zum Kotten gehörten oft ein Gemüsegarten, einige Obstbäume, gelegentlich ein Stall sowie ein kleines Stück Ackerland. Der Bergmann war zugleich Bauer, Handwerker und Kohlenarbeiter. Diese Verbindung von Landwirtschaft und Bergbau war typisch für die Anfänge des Ruhrreviers. (Route Industriekultur)

Besonders im Wittener Muttental, das als „Wiege des Ruhrbergbaus“ gilt, lässt sich diese frühe Lebenswelt noch erahnen. Hier entstanden zahlreiche kleine Stollenzechen entlang der Berghänge. Die Bergleute wohnten meist nicht in geschlossenen Arbeitersiedlungen, sondern verstreut in einzelnen Kotten oder kleinen Höfen nahe ihrer Arbeitsstätten. Erst mit dem Vordringen des Tiefbaus und der Entstehung großer Industriezechen änderte sich diese Struktur grundlegend. (Route Industriekultur)

Das heutige LWL-Museum Zeche Nachtigall vermittelt diesen Übergang besonders anschaulich. Rund um das Museum und entlang des Bergbauwanderwegs im Muttental begegnet man den Spuren jener Zeit: Stollenmundlöchern, kleinen Zechenanlagen, dem Bethaus der Bergleute und den Resten einer Bergbaulandschaft, die noch eng mit dem ländlichen Leben verbunden war. (zeche-nachtigall.lwl.org)

Die Bergmannskotten stehen damit für eine heute fast vergessene Epoche des Ruhrgebiets. Sie erinnern an eine Zeit, in der der Bergbau noch kein industrielles Massenunternehmen war, sondern Teil eines einfachen, oft entbehrungsreichen Lebens zwischen Feld, Stall und Stollen. Gerade deshalb besitzen sie für die Geschichte des Ruhrgebiets eine besondere Bedeutung: Sie zeigen die Wurzeln einer Region, die später zum größten Industriezentrum Europas werden sollte. (Route Industriekultur)


↑ Zum Anfang