Geschichte sichtbar machen
Der Rupertsberg als Schauplatz von zwei Jahrtausenden

In den vergangenen zwei Jahren entstanden in enger Zusammenarbeit mit Dr. Schmandt vom Museum am Strom in Bingen neun Informationstafeln, die die Geschichte des Rupertsbergs von der Römerzeit bis zum Bau der Eisenbahn nachzeichnen – jenem technischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts, der schließlich das Ende der letzten sichtbaren Überreste des Klosters Rupertsberg besiegelte.

Ausstellung
Ausstellung 2000 Jahre Rupertsberg hinter
den verbliebenen Original Arkaden
im Stadtarchiv auf dem Rupertsberg

Präsentiert werden die Tafeln an einem Ort, der dafür kaum geeigneter sein könnte: in der Villa auf dem Rupertsberg. In ihrem Mauerwerk sind die letzten erhaltenen Reste des einstigen Klosters verbaut – fünf westliche Arkaden der ehemaligen Klosterkirche, die bis heute als stille Zeugen der Vergangenheit erhalten geblieben sind. Wer die Ausstellung besucht, begegnet der Geschichte somit nicht nur in Texten und Bildern, sondern unmittelbar an ihrem ursprünglichen Schauplatz.

Das gemeinsame Anliegen der Stadt Bingen, des Museums am Strom, der Rupertsberger Hildegard-Gesellschaft und des Heimatvereins besteht darin, die weitgehend verschwundenen Spuren dieses historisch bedeutenden Ortes wieder sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Der Rupertsberg war nicht nur das Wirkungszentrum Hildegards von Bingen, sondern über viele Jahrhunderte hinweg ein Ort wechselnder Nutzungen, dessen Geschichte weit über das Mittelalter hinausreicht.

Ein besonderer Schwerpunkt der Tafeln liegt deshalb auf dem „roten Faden“ durch die Jahrhunderte. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass unter den Fundamenten der Klosterkirche möglicherweise deutlich ältere, römische Baustrukturen verborgen lagen. Die Untersuchung der Ruinen vor ihrer Sprengung führte zu der Vermutung, dass das halbrunde Fundament der Apsis auf einen römischen Vorgängerbau zurückgehen könnte. Zusammen mit den Quellen des Rupertsbergs, den römischen Verkehrswegen, der nahen Brücke und weiteren archäologischen Funden ergibt sich ein Bild, das die Geschichte des Ortes als fortlaufende Entwicklung erscheinen lässt.

Dabei folgt die Ausstellung einer einfachen historischen Beobachtung: Über Jahrhunderte hinweg wurden tragfähige Fundamente und Mauern immer wieder weitergenutzt. Auf römischen Ruinen entstanden mittelalterliche Bauten, auf deren Resten wiederum spätere Gebäude errichtet wurden. So erscheint auch die Geschichte des Rupertsbergs nicht als Folge voneinander getrennter Epochen, sondern als ein zusammenhängender Prozess, bei dem jede Generation auf den Hinterlassenschaften ihrer Vorgänger aufbaute.

Die Tafeln laden dazu ein, diesen Weg durch nahezu zweitausend Jahre Geschichte nachzuvollziehen – von den ersten römischen Spuren über das Kloster Hildegards bis hin zu den tiefgreifenden Veränderungen des Industriezeitalters. Sie machen sichtbar, wie eng Vergangenheit und Gegenwart auf dem Rupertsberg miteinander verbunden sind und wie viel von der Geschichte dieses besonderen Ortes noch heute unter der Oberfläche fortlebt.


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